Rezension „Blind Trust“ von Kim Henry

Cover
Das Cover ist ein wahnsinniger Blickfang. Ich hab mich sofort verliebt. Die Blautöne vermitteln eine gewisse Ruhe, die einen auch während dem Lesen überkommt, während die Großstadt darauf unweigerlich zum Träumen einlädt. Die Sinnlichkeit der Frau passt absolut zur Beschreibung von Sophia. Klasse gewählt.

Protas
Sophia muss man von Beginn an ins Herz schließen. Sie ist eine beeindruckende Frau! Schon nach wenigen Zeilen wird einem bewusst, dass sie ihre Schwäche „stark“ macht, denn sie lässt sich von ihrem Handicap nicht in die Knie zwingen. Souverän und mit einer enormen innerlichen Ruhe meistert sie die Hürden ihres Lebens. Diese Ruhe kommt aber gehörig ins Schwanken, als Brayden Ellis in ihr Leben stolpert.

Braden Ellis ist der heißeste Junggeselle und Oscaranwärter Hollywoods. Sein Talent als Schauspieler wurde ihm in die Wiege gelegt, und so lernte er von klein auf, das in der Welt der Schönen und Reichen gewisse Erwartungen zu erfüllen sind. Er geht sehr bedacht durchs Leben und meidet Situationen, die ihn in ein schlechtes Licht rücken könnten, denn in seiner Welt hat man unweigerlich ein Verfallsdatum.

Schreibe & Inhalt
Der Schreibstil von Kim Henry ist nahezu unverwechselbar. Das Buch vermittelt eine gewisse Leichtigkeit, obwohl die Story von einem immensen Tiefgang geprägt ist. „Blind Trust“ in nicht nur eine wunderschöne Liebesgeschichte, sondern zeigt einen Teil davon, wie blinde Menschen die Welt wahrnehmen. Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht von Sophia erzählt, aber wir bekommen auch ab und an Einblicke in Braydens Gefühlwelt.

Als Brayden Ellis auf Sophia trifft, kommt sein geordnetes Leben gehörig ins Wanken. Die Art und Weise, wie sie ihr Leben meistert, beeindruckt ihn sehr und er merkt sofort, dass Sophia etwas Besonderes ist. Sie ist die einzige, die „ihn sehen“ kann, obwohl ihr genau das nicht möglich ist. Sie versuchen, ihre Ängste hinten anzustellen und ihrer Zuneigung eine Chance zu geben.
Eine unbedachte, wenngleich auch richtige Entscheidung von Sophia, bringt einen Stein ins Rollen, der nicht mehr aufzuhalten ist. So werden beide auf eine schmerzliche und harte Probe gestellt, die sie zwingt, den Blickwinkel auf manche Dinge zu verändern.

Spannungsbogen
Ich bin überwältigt von dem Buch. Die Art und Weise, wie wir einen kleinen Eindruck erhalten, wie blinde Menschen „Sehen“ können. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, da die Story so beindruckend ist, dass die Spannung dadurch nie abflaut.

Erotikfaktor
Mit seiner ruhigen und herrischen Art bringt er Sophia in den richtigen Momenten zum Schweigen. Sie genießt das Gefühl, sich fallen lassen zu können. Die erotischen Szenen sind sehr niveauvoll und sinnlich, bestens dosiert. Und vor allem heiß. Oh mein Gott, Brayden weiß genau was er tut. Eine Freude das zu lesen.

Minisnippet
„Sie können mich also gut riechen?“, fragt er.
Sein Necken wärmt mich. Er frischt nicht nach Komplimenten. Das hat ein Mann wie er nicht nötig. Es ist das Wortspiel, das ihm Freude macht, ebenso wie mir.
„Ja.“ Ich nicke. „Ja, ich kann sie gut riechen, Brayden Ellis. Ihre Stimme ist auch okay. Falls Ihnen das noch niemand gesagt hat, was ich bezweifel“. Die Worte sind aus dem Mund, und am liebsten würde ich sie zurücknehmen. Flirte ich etwa? Mit Brayden Ellis? Seit fünf Jahren halte ich jeden Mann, der sich für mich interessiert, auf Abstand, uns ausgerechnet bei Brayden Ellis lasse ich mich auf einen Flirt ein? Mein Ego muss einen Todeswunsch haben, anders ist das nicht zu erklären.
Doch das wirklich Verrückte ist, er geht auf den Flirt ein.
„Ich habe es schon das ein oder andere mal gehört.“
„Dachte ich mir.“
„Aber noch nie, wie von Ihnen.“ Seine Stimme fällt um eine halbe Oktave, und plötzlich kann ich kaum noch atmen.

Fazit:
Wow…mir fehlen beinahe die Worte…eine wirklich beeindruckende Geschichte
Wir nutzen unser Augenlicht mit einer Selbstverständlichkeit, die uns gar nicht bewusst ist. Alle Eindrücke, mit denen wir unser „ich“ füttern, erleben Blinde ganz anders. Es ist bestimmt nicht leicht, genau jene Gefühlsregungen und Empfindungen einem Leser zu vermitteln. Aber genau das haben die beiden Autorinnen geschafft. Dafür gebührt ihnen mein größter Respekt, denn man merkt, wie sehr sie sich mit dem Thema auseinander gesetzt haben. 5 von 5 Sternen und eine klare Kaufempfehlung.


„Blind Trust“ von Kim Henry


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