Schreibwettbewerb – April – Autorenstory – Kimmy Reeve

Vielen Dank, liebe Kimmy Reeve, dass Du uns als Autorenpatin zur Verfügung standst und unterstützt hast.
Vielen Dank auch allen Teilnehmern, die bisher fleißig geschrieben haben. Wir finden es immer wieder bewundernswert, mit welchem Eifer Ihr unsere Aktion unterstützt. VIELEN DANK.
Auch in den nächsten Monaten könnt Ihr weiterhin teilnehmen und uns Eure Geschichten zukommen lassen. Wir freuen uns darauf.

Und nun wünschen wir Euch viel Spaß beim Lesen der Story von Kimmy.

Euer Lounge Team


Always by your Side

Kapitel 1

Zehn Jahre war es bereits her, dass ich Scott O´Brian verlassen hatte. Zehn Jahre, in denen ich diese Entscheidung Tag für Tag bereut hatte, ohne ein Wort verschwunden zu sein. Zehn Jahre, in denen ich immerzu an ihn denken musste.

Jetzt stand ich hierzulande, bekleidet in einem grünen Abendkleid und erkannte ihn sofort. Er befand sich nur einige Meter von mir entfernt, umzingelt von wunderschönen Frauen. Genauso, wie es früher immer gewesen war. Und verdammt, er hatte sich nicht verändert. Als Junge war er schon eine Augenweide, aber als Mann? Ein Traum.

Scott hatte schwarzes kurzes Haar, trug einen Dreitagebart und besaß dunkelbraune Augen. Hinzu kam, seine Größe. Er überragte mich um mehr als eine Kopflänge und ich war schon einen Meter dreiundsiebzig. Darüber hinaus, kam noch sein ausgesprochen muskulöser Oberkörper hinzu. Bereits damals besaß er einen Body, der zum Niederknien war. Ich wusste, wovon ich sprach, immerhin hatte ich ihn nackt gesehen. Aber jetzt, wo er erwachsen war, und die Oberarme seines Jacketts spannten, konnte ich mir nur ansatzweise vorstellen, wie er heute aussehen musste.

Vor so vielen Jahren hatte ich mir diese eine – meine erste Nacht – mit ihm gegönnt, weil ich unsterblich in ihn verliebt war. Allerdings war ich nicht das einzige Mädchen gewesen, weshalb ich mir seinerzeit keine Hoffnungen auf eine Beziehung mit Scott machte. Schließlich war ich nicht bescheuert.

Gemeinsam mit meinen Freundinnen war ich zu unserer Abschlussfeier gegangen, mit dem Wissen, am darauffolgenden Tag, Boston zu verlassen, um in England Design zu studieren. Ich hatte also nichts zu verlieren, bis auf meine Jungfräulichkeit. Und die wollte ich nicht mit nach London nehmen, sondern Scott O´Brian schenken. Genau so war es auch gekommen.

Am Morgen danach – Scott schlief noch tief und fest – zog ich mich leise an und war aus seinem Leben verschwunden. Somit musste er mir nicht – wie unzähligen Mädchen vor mir – sagen, dass es eine einmalige Sache war. Ich kam ihm einfach zuvor.

»Wen starrst du denn da an, Liv?«, hörte ich Josie neben mir flüstern und erschrak, weil ich in Erinnerung schwelgte, die ich vor langer Zeit bereits in mein Unterbewusstsein verbuddelt hatte.

»Ich kenne ihn von früher«, erklärte ich in der Hoffnung, sie würde nicht eins und eins zusammenzählen. Immerhin kannte sie die Geschichte um Scott.

Mehr als einmal hatte sie mich beschworen, Kontakt mit ihm aufzunehmen, was ich aber nie getan hatte. Warum? Weil ich feige war.

Josie Bishop war meine beste Freundin und Geschäftspartnerin. Wir hatten uns auf dem College in London kennengelernt und waren seither unzertrennlich. Während der Ausbildung wurde uns bewusst, dass eine enorme Marktlücke bestand, die wir unbedingt füllen wollten. Kleidung in großen Größen. Natürlich gab es einige Läden, die XL-Ware anboten, aber die etwas üppigen Frauen, wollten sich nicht nur null acht fünfzehn kleiden, sondern auch mal sexy, verrucht, auffallend und chic. Genau solch eine Kollektion hatten Josie und ich entworfen. Durch viel Arbeit und noch mehr Kontakten wurden wir als Newcomer auf die Fashion Week in London eingeladen, wo wir jedes der Stücke präsentierten. Nachdem die ersten Bestellungen bei uns eingingen, bemerkten wir, wie gut unsere Ideen ankamen und gründeten BIG IS SEXY. Das lag jetzt fünf Jahre zurück und der Kundenstamm wuchs täglich. Mittlerweile war ich achtundzwanzig, Josie neunundzwanzig und wir zählten zu den gefragtesten Designern Londons. Aus diesem Grund befanden Josie und ich uns derzeit in Boston. Die Modenschau konnte ich unmöglich absagen, eben weil sich hier einige potentielle Neukunden aufhielten. Wir waren in England vielleicht bekannt mit unserem Label, aber wir wollten es weltweit schaffen. Und wo fing man bestenfalls damit an? Richtig … in den USA.

»Ist das dieser Scott?« Dahin war der Wunsch, sie könnte es vergessen haben. Ich nickte nur und nahm einen Schluck von meinem Getränk. »Verdammt, der sieht echt gut aus.«

Ich verschluckte mich und hustete, womit ich die Aufmerksamkeit der hier Anwesenden auf mich zog und somit auch die von Scott.

Fuck!

Als ich mich einigermaßen von meinem beinahe Tod – denn ich dachte, ich würde an der Flüssigkeit im Hals ersticken – erholt hatte und hochschaute, trafen sich unsere Blicke. Seine Augen verengten sich und ich wusste, dass er mich wiedererkannt hatte.

Mist!

 

Kapitel 2

Scotts Blick ruhte weiterhin ausnahmslos auf mir. Dabei wurde mir ganz anders, schwindelig könnte man es auch nennen und außerdem wurde mir plötzlich ziemlich schlecht.

»Ich geh mal eben auf die Toilette«, teilte ich Josie mit, drückte ihr das Glas in die Hand und machte mich auf den Weg zu den Waschräumen.

Dort angekommen, betrachtete ich mich im Spiegel. Wie schon damals, hatte ich lange dunkelbraune, ja fast schwarze Locken, nur dass sie nicht mehr störrisch waren und man annehmen könnte, es würde sich ein Vogelnest darin befinden, sondern mittlerweile glänzten und gesund aussahen. Das Make-up saß nach wie vor perfekt und meine grünen Augen stachen durch den dunklen Lidschatten noch intensiver hervor.

Mit den Fingern fuhr ich mir durch die Mähne und atmete tief durch. Irgendwie musste ich den Tag so professionell wie möglich über die Bühne bringen. Immerhin würde gleich unsere neue Kollektion vorgestellt werden. Das hier war mein Job und ich hatte vor, den genauso konsequent zu bewerkstelligen, wie ich es immer tat. Morgen früh würde ich mit Josie in das Flugzeug steigen und zurück nach London fliegen. Da war ich zuhause und dort gab es keinen Scott O´Brian.

Als ich das Bad wieder verließ, prallte ich gegen eine sehr harte Brust. Ich wusste, dass es sich hierbei um Scott handelte, noch bevor ich ihn sah. Der bekannte Duft, diese Aura, die von ihm ausging, hatte noch immer dieselbe Wirkung auf mich. Ich schaute hoch und traf auf fast schwarze Augen, die mich eindringlich musterten.

»Olivia«, begrüßte er mich tonlos und ließ mich los.

Sofort machte ich einen Schritt nach hinten und stieß mit dem Rücken gegen die Falltür. Diese schwang dabei auf und traf mich am Hintern, was mich wieder ein wenig vorwärts stolpern ließ. Peinlicher konnte es nun wirklich nicht mehr werden. Ich benahm mich wie ein verschrecktes Reh. Das war ich allerdings nicht, sondern Olivia Fletcher.

»Scott«, gab ich so selbstbewusst, wie ich konnte, zurück. Das war es dann aber auch schon mit Konversation, denn ich hatte keine Ahnung, was ich sonst noch sagen sollte. Musste ich das überhaupt? Nein! Dennoch erstaunte es mich, dass er sich an meinen Namen erinnerte, wenngleich ich doch davon ausgegangen war, dass er mich, nach der besagten Nacht, vergessen hatte. Anscheinend befand ich mich dahingehend auf dem Holzweg.

Soll vorkommen!

»Du warst lange weg«, sagte er und verschränkte die Arme vor seiner Brust.

»Kann man so sagen«, entgegnete ich trocken und schaute in Richtung Saal. Nie war Josie da, wenn man sie mal brauchte.

Vor allem fiel mir gerade auf, dass auf dem Gang überhaupt niemand zu sehen war. Wo waren die ganzen Leute hin? Mir kam es so vor, als würde es hier im Moment nur Scott und mich geben. Ein Gedanke, der mich innerlich ein wenig nervös machte.

»Und? Wie ist es dir ergangen?« Wollte er Smalltalk führen? Das konnte ich.

»Gut.« Okay, vielleicht war ich im Smalltalk doch nicht so gut, wie ich dachte. Außerdem fühlte sich mein Gehirn wie Matsche an und am liebsten wäre ich kreischend davongelaufen. Was wahrscheinlich etwas dämlich ausgesehen hätte, wenn ich ehrlich war. Daher besann ich mich und schob noch schnell ein »Und selbst?«, hinterher.

»Geht so.« Scott machte einige Schritte auf mich zu, sodass ich weiter zurückwich und spürte, wie sich die Schwingtür in meinen Rücken wieder öffnete. Doch, obwohl wir uns jetzt in der Damentoilette befanden, schien Scott in seiner Bewegung nicht stoppen zu wollen, sondern setzte seinen Gang solange fort, bis ich mit dem Hintern an das Waschbecken prallte. Jetzt konnte ich dummerweise nicht weiter zurück.

Er blieb direkt vor mir stehen. Seine Nähe war so intensiv, dass mein Herz sofort anfing, wie wild zu klopfen. »Nachdem du ohne ein Wort verschwunden warst, habe ich dich gesucht.«

Was zum Teufel …? Hatte ich mich verhört?

»Wieso hast du mich gesucht?«, war alles, was mich interessierte.

»Um dir das zu geben.« Scott griff in seine Jackentasche und holte einen Ohrring heraus. Meinen Ohrring, den ich schon seit Jahren vermisst hatte. Der andere lag nach wie vor einsam in meiner Schatulle.

Ich nahm das Schmuckstück an mich und betrachtete es.

»Woher wusstest du, dass ich heute hier sein würde?« Hatte ich diese bescheuerte Frage wirklich gestellt? Mein Hirn war eindeutig Brei. Auf dem Banner am Eingang stand: Fashion by BIG IS SEXY. Olivia Fletcher und Josie Bishop. Wenn er sich an meinem Vornamen erinnerte, dann sicherlich auch an den Nachnamen. Deswegen schob ich direkt noch »Wieso hast du ihn noch?«, hinterher.

»Ich trage ihn seit zehn Jahren mit mir rum«, antwortete er, ohne seinen Blick von mir zu nehmen. Meine Augen weiteten sich, weil ich nicht glauben konnte, was er mir hier beichtete.

»Warum?« Mich verwirrte das alles gerade maßlos.

»Keine Ahnung.« Er log, das sah ich ihm an. Von damals wusste ich noch ganz genau, dass er Probleme hatte, zu lügen. Er war der mieseste Pokerspieler an der Schule gewesen. »Jetzt hast du ihn wieder und ich bin ihn endlich los.«

Scott wollte mich verletzen, das war mir bewusst. Warum sonst dieses widersprüchliche Verhalten? Sein Gesicht wirkte angespannt, seine Augen schrien vor Abneigung. Vielleicht hatte ich diese Ablehnung auch verdient, aber verdammt, er hatte seinerzeit eine Tussi nach der anderen. Einmal Sex, dann weg, das war sein Spruch gewesen. Wieso sollte er sich bei mir anders verhalten haben? Ich war nichts Besonderes.

Kurz betrachtete er mich, dann wandte er sich ab und verschwand aus dem Waschraum. Ich hingegen hatte sichtlich Schwierigkeiten, mich unter Kontrolle zu bringen.

 

Kapitel 3

Nach der Modenschau wollte ich nur noch eines: Ins Hotel, um mich zu verstecken. Ich brauchte meine Ruhe und wollte das Aufeinandertreffen mit Scott verarbeiten. Außerdem konnte ich es nicht abwarten, endlich wieder nach Hause zu fliegen. Niemals wieder würde ich nach Boston zurückkehren. Noch so eine Begegnung mit ihm, würde ich nicht verkraften.

 

Im Hotel angekommen, packte ich direkt meine Tasche. Als ich damit fertig war, schminkte ich mich ab und zog mich bis auf den grünen String aus. Dann warf ich mich aufs Bett und kuschelte mich unter die Decke.

Keine zehn Minuten später sprang die Tür auf. Erschrocken setzte ich mich auf und fing an, zu schreien.

»Olivia, ich bin es.« Das Licht wurde eingeschaltet.

Sofort stellte ich mein Gekreische ein, als ich Scott, als meinen Einbrecher identifizierte. Umgehend bedeckte ich meine Nacktheit mit einem der Laken und krabbelte von der Matratze, auf die entgegengesetzte Seite, wo ich mich vor das Fenster stellte. Ich konnte wirklich nicht fassen, was sich hier gerade abspielte.

»Was suchst du in meinem Zimmer?« Ich wollte fauchen, allerdings hörte ich mich an, wie Oprah Winfrey. Mindestens drei Oktaven höher. Jetzt bekomm dich mal unter Kontrolle, Liv. Der Typ ist gerade bei dir eingebrochen, schrie mich mein Unterbewusstsein an.

»Wir waren mit unserer Unterhaltung noch nicht fertig«, überging er gekonnt meine Frage.

»Und das gibt dir das Recht, einfach hier rein zu stürmen?«, zischte ich. »Verschwinde, Scott! Da gibt es nichts mehr zu besprechen.«

Er sollte einfach nur aus meinem Leben abhauen. Ich wollte das alles endlich hinter mir lassen, versuchen, mit den Erinnerungen an ihn, klarzukommen. Ja, ich liebte diesen Mann. Das hatte ich schon als junges Mädchen getan. Er war meine große Liebe und würde es immer sein.

»Das Hotel gehört mir«, informierte er mich, als würde das seine Unverfrorenheit erklären. »Ich will wissen, warum du damals gegangen bist?«

Gerade war ich noch dabei, mich hysterisch in seine Unverschämtheit hineinzusteigern, als seine Worte endlich in meinem Schädel ankamen.

Sein ernst?

»Ich musste meinen Studienplatz in England antreten.« Trotz des Tornados, der in mir wütete, war ich stolz auf mich, ihm so gelassen und ruhig geantwortet zu haben. Am liebsten wäre ich ihm nämlich mit meinen spitzen Fingernägeln ins Gesicht gesprungen. Einfach, weil … deswegen eben.

»Und du hast mir das aus welchem Grund nicht erzählt?« Scott schien echt sauer zu sein. Noch immer befand er sich auf der anderen Seite des Bettes. Niemand von uns bewegte sich.

»Ich dachte nicht, dass es dich interessieren würde.« Als junger Kerl hatte er sich nun mal wie ein Gigolo verhalten, der ein wenig an Sexsucht litt. Don Juan war ein Scheißdreck gegen ihn. Was also, war sein Problem?

»Tja, falsch gedacht«, knurrte er. »Weißt du eigentlich, wie lange ich dich gesucht habe?«

»Warum hast du mich denn gesucht?« Diese Frage interessierte mich jetzt aber wirklich. Den Ohrring hatte ich ja schon von ihm bekommen. Hatte ich noch was vergessen? Ich konnte mir sein Verhalten partout nicht erklären.

»Das spielt keine Rolle mehr.«

»Jetzt auf einmal?«, zischte ich los. »Bist du neuerdings verhaltensgestört? Erst dein Auftritt auf der Gala, der schon mehr als fragwürdig war. Dann stürmst du mein Hotelzimmer und jetzt sagst du mir, dass das alles keine Rolle mehr spielt? Geht’s noch?« Ich hatte einen Lauf, und am liebsten hätte ich ihn zusammengeschlagen.

Scotts Augen weiteten sich und wieder fragte ich mich, was er für ein Problem hatte. Sein Blick wanderte an meinem Körper auf und ab und ich sah an mir herunter. Sofort fiel mir auf, dass ich bei meinem hysterischen Anfall anscheinend das Laken hatte fallen lassen. Hier stand ich nun. Nur im grünen String bekleidet. Einfach fantastisch. Bevor ich mich bücken konnte, um nach dem Stoff zu greifen, befand sich Scott auch schon vor mir. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass er sich bewegt hatte.

»Du bist nach wie vor wunderschön, Liv«, flüsterte er nah an meinen Lippen und meine Haut ging förmlich in Flammen auf. Warum hatte er bloß immer noch so eine Wirkung auf mich? Das war unnormal.

Meine Kehle war staubtrocken, als ich ihm in seine dunklen Augen sah. Ohne Vorwarnung prallten seine Lippen auf meine und alles, was ich im Hinblick auf Scott versucht hatte zu vergessen, war wieder komplett an die Oberfläche gerutscht.

Während wir uns intensiv küssten, half ich ihm, sich zu entkleiden. Dann löste Scott sich kurz von mir, und hob mich auf seine Arme. Er nahm nicht für eine Sekunde den Blick von mir, als er mich vorsichtig auf das Bett legte. Dann streifte er mir mein Höschen über die Beine und warf es achtlos über seine Schulter. Derweil öffnete ich meine Schenkel und lud ihn zu mir ein. Ich wusste nicht, ob wir einen Fehler begehen würden, aber ich wollte ihn spüren, mir dieses Gefühl aufbewahren, von dem ich die nächsten zehn Jahre zehren konnte.

Scott war vorbereitet. Ich weiß nicht, ob ich deswegen jetzt sauer sein sollte oder nicht, aber er hatte plötzlich ein Kondom in der Hand. Mit den Zähnen riss er die Verpackung auf, holte das Gummi heraus und streifte es sich über. Bei alledem, ließ er mich für keinen Moment aus den Augen. Er kniete sich auf die Matratze, machte es sich zwischen meinen Beinen bequem und schob seinen harten Schwanz in mich. Langsam fing er an, seine Hüften zu bewegen. Er füllte mich aus, dehnte mich auf eine angenehme Weise, wie nur er dazu imstande war. Scott wurde immer schneller, erhöhte das Tempo und ließ mich dabei nie aus den Augen. Die Spannung in mir nahm unmenschliche Ausmaße an, bis ich mich stöhnend unter ihm aufbäumte. Auch Scott ergab sich seinem Höhepunkt und brach schwer atmend auf mir zusammen.

Am nächsten Morgen hatte ich ein Déjà-vu. Scott lag schlafend auf der Matratze, während ich bereits vollends bekleidet am Bettrand stand und ihn beobachtete. Tränen, liefen mir die Wangen hinab, als ich nach meinem Koffer griff, leise das Zimmer verließ und damit auch zum zweiten Mal ihn.

Kapitel 4

Am Flughafen saßen Josie und ich in einem Restaurant und tranken Kaffee. »Du siehst scheiße aus«, merkte meine Freundin an, die ich daraufhin böse ansah.

»Danke auch.«

»Hast du noch mal mit Scott gesprochen?«, hakte sie weiter nach.

»Nein, das hat sie nicht«, vernahm ich hinter mir die Stimme, die ich versuchte, zu vergessen. »Wie vor zehn Jahren schon, ist sie ohne ein Wort verschwunden.«

Langsam drehte ich mich um und betrachtete Scott O´Brian, der sich nun vor mir befand und mich wütend anfunkelte.

»Was willst du hier?«, flüsterte ich. Zu mehr war ich einfach nicht imstande.

»Reden.« Er umschloss meinen Oberarm und zog mich sanft nach oben. »Entschuldige uns für einen Moment«, wandte er sich noch mal an Josie und machte sich mit mir im Schlepptau auf den Weg durch den Flughafen. In einer ruhigen Ecke ließ er mich los und stellte sich direkt vor mich.

»Ich werde dir mal etwas sagen, Liv«, fing er an und klang alles andere, als gutgelaunt. »Damals hast du dich einfach, ohne ein Wort, aus dem Staub gemacht. Kaum bist du zurück, fliehst du erneut, obwohl wir die letzte Nacht miteinander verbracht haben. Machst du das immer so?«

»Was willst du denn von mir?« Mittlerweile war ich den Tränen wieder nah, weil ich nicht mit dieser Situation umzugehen wusste.

»Raffst du es wirklich nicht?«, brummte er und ich schüttelte den Kopf. »Verdammt. Kannst du dir vielleicht vorstellen, dass ich etwas für dich empfinde? Auch damals schon etwas für dich empfunden habe? Und dieses Gefühl hat sich seit eh und je nicht gelegt. Glaub mir, ich habe versucht, dich zu vergessen, leider klappt es nicht. Für dich scheint es aber ein Sport zu sein. Oder was ist los mit dir?«

»Ich …« Meine Kehle schnürte sich zusammen, ich konnte nicht fassen, was er mir soeben gesagt hatte. »Ich bin gegangen, weil ich dich geliebt habe und es immer noch tue. Aber ich dachte eben, dass ich eine von vielen sei. Ich wollte mir die Abfuhr einfach ersparen. Und heute Morgen hatte ich Angst. Angst, dass es nur ein One-Night-Stand für dich war.«

»Scheiße, Liv.« Scott fuhr sich mit den Fingern durch sein glänzendes Haar und sah mich eindringlich an. »Wieso hast du nie etwas gesagt? Zehn Jahre. Zehn verfickte Jahre, Liv.«

Die Tränen liefen mir über die Wangen. Mit dem Daumen wischte er mir die salzige Flüssigkeit von der Haut und legte dann seine Hand an mein Gesicht, in die ich mich mit geschlossenen Augen schmiegte.

»Ich liebe dich, Liv«, gestand er, legte seine Lippen auf meine und küsste mich auf eine Art, die mir den Boden unter den Füßen wegriss. Dann löste er sich von mir und lehnte seine Stirn an meine.

»Ich liebe dich auch, Scott«, gab ich mutig zurück und spürte, wie mir dieser eine Stein vom Herzen fiel, der sich dort schon vor so langer Zeit eingenistet hatte.

Es war vorbei und ich hatte das Gefühl, endlich angekommen zu sein.

Es ist nicht immer einfach, zu seinen Gefühlen zu stehen. Aber wenn man es macht, könnte ein glückliches Leben für einen parat stehen. Und nur ein glücklicher Mensch … ist ein vollkommener Mensch.


 

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