Schreibwettbewerb – August/September – Finalisten – Maia Osterhagen

Mit der Story von Maia Osterhagen geht es heute weiter. Vielen Dank für Deine Teilnahme am Wettbewerb und herzlichen Glückwunsch.
Euch wünschen wir viel Spaß beim Lesen,
Euer Lounge Team.


Jackpot!
Maia Osterhagen

„Und das hat bis Morgen auch noch fertig zu sein, ist das okay, Frau Stelter?“

Schon klatscht er mir einen weiteren Stapel rote Akten auf die rechte Ecke des Schreibtischs. Ich gucke heimlich auf die Uhr am Bildschirmrand. 18:37 Uhr, eigentlich habe ich seit über zwei Stunden Feierabend.

Statt einfach aufzustehen und in meinen wohlverdienten Feierabend zu gehen, nicke ich resigniert meinem Chef zu und sage nur: „Okay!“

Schon dreht der sich auf dem Absatz um und verschwindet mit einem: „Bis übernächste Woche dann!“

Die Glastür fällt unsanft hinter ihm ins Schloss. Ich zucke kurz zusammen, dann seufze ich. Ein einfaches „Danke“ wäre wohl zu viel verlangt.

Schon höre ich die Schlüssel an seiner Bürotür klappern und kurz darauf seine energischen Schritte im Gang verhallen.

Ich muss tief durchatmen.

Alle meine Freunde sagten mir, dass der Einstieg ins Berufsleben kein Zuckerschlecken sein würde. Aber so habe mich mir meinen Traumjob in der Kanzlei wirklich nicht vorgestellt.

Seit vier Monaten arbeite ich nun in diesem echt stylischen und neuartigen Bürokomplex. Die Kollegen sind alle super nett und mittlerweile fast zu Freunden geworden. Neben der vielen Arbeit bleibt sowieso kaum Zeit für andere Aktivitäten. Umso schöner, wenn man nach einem langen Tag im Büro noch etwas gemeinsam um die Häuser ziehen kann.

Auch die Arbeit ist grundsätzlich echt akzeptabel, habe ich auch nicht damit gerechnet, sofort hochkarätige Mandate zu bekommen.

Es wäre also alles im grünen Bereich, wenn da nicht ein Problem wäre. Und das ist sogar ein ziemlich Großes: Mein Chef.

John ist klug. John ist nur knappe 10 Jahre älter als ich. Er ist zu allen anderen smart und extrem nett – nur zu mir nicht.

Ich habe keinen blassen Schimmer, was ich ihm getan haben könnte. Ich war stets höflich und bemüht einen guten Eindruck zu machen. Doch egal was ich mache, entweder John redet gar nicht mit mir und behandelt mich wie Luft oder ich bekomme eine Spitze nach der anderen von ihm. Oder er gibt mir einen Haufen Extraarbeit. Und dieser Haufen liegt nun auf meinem Tisch und lacht mich an.

Nun gut, der Stapel erledigt sich nicht von alleine und das Wochenende steht bereits in den Startlöchern. Also haue ich in die Tasten, was das Zeug hält.

Nach zwei weiteren Stunden ist es im kompletten Bürogebäude dunkel. Ich ächze und ziehe mir die Schuhe aus. Immerhin bin ich um diese Uhrzeit allein in der Kanzlei, da kann ich auch barfuß laufen. Die furchtbar unbequemen Pumps pfeffere ich beherzt in eine Ecke.

Außerdem muss ich mich nicht stressen, John hat eine Woche Urlaub, also kann er am Montag nicht selber meine Arbeiten kontrollieren.

Gerade will ich mich an den nächsten Fall setzen, da vibriert mein Smartphone. Ich fische es aus meiner Handtasche.

Eine neue Nachricht. Nach dem öffnen fällt mir fast die Kinnlade runter. Ich traue meinen Augen kaum: „Hallo Maja. Ich hoffe, Sie sitzen nicht mehr im Büro. Würden Sie mir bitte ein Gefallen tun und Morgen Abend um 19 Uhr im Acapulko erscheinen? Grüße, John“

Unschlüssig halte ich mein Handy in der Hand. Kurzzeitig zerbreche ich mir den Kopf, was das zu bedeuten hat. Habe ich einen schwerwiegenden Fehler gemacht? Einen Kunden falsch betreut oder ein Mandat verloren?

Das kann es nicht sein, bis auf meinen Chef sind alle hochzufrieden mit mir und meiner Arbeit.

Erst nach dem dritten Lesen begreife ich und es fällt mir wie Schuppen von den Augen: Mein Chef, der unnahbare John, fragt mich gerade um ein Date.

Fast muss ich lachen. Mein Unbehagen weicht schlagartig einer erregten Vorfreude. Denn trotz allen Widrigkeiten muss ich sagen, dass der Herr Chef ein ausgesprochener Leckerbissen für einen Mann ist.

Mit seinen dunklen, lockigen Haaren und den blauen Augen sieht er eigentlich viel zu gut für einen Anwalt aus. Seine Maßanzüge zeugen dazu von einem ausgesprochen guten Geschmack: Die Hemden sitzen wie auf den Leib geschneidert und lassen erahnen, dass dort drunter ein durchtrainierter Körper stecken muss.

Ich nehme an, dass sich John sehr wohl der Tatsache bewusst ist, dass sämtliche Blicke der Mitarbeiterinnen auf seinen knackigen Hintern gerichtet sind, wenn er die Büros verlässt.

Habe ich oft genug beobachtet und ja, ich gebe es zu, auch ich gucke ihm nach.

Unschlüssig setze ich zu drei Nachrichten an, bevor ich mich für ein einfaches: „Ich werde da sein!“ entscheide. Das muss genügen.

Bevor ich es mir noch anders überlegen kann, schmeiße ich mein Handy zurück in die Tasche. Die restliche Arbeit erledigt sich danach fast wie von selbst.

Der nächste Tag ist, Gott sei dank, Samstag. Nachdem ich bis kurz vor Mitternacht gearbeitet habe, habe ich heute einfach ausgeschlafen.

Ich nutze den restlichen Tag für ein ausgedehntes Frühstück und einen Besuch in meinem Fitnessstudio. Während ich danach ein paar Bahnen im studioeigenen Pool schwimme, gehe ich in Gedanken den Abend durch. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet.

Neben einer gehörigen Portion Aufregung mischt sich immer wieder etwas anderes in meine Gedanken: Lust!

Ich habe Lust auf diesen Mann mit seinen stahlblauen Augen und den sinnlichen Lippen.

Während ich mich am Beckenrand von den Massagedüsen durchkneten lasse, muss ich aufpassen, dass ich nicht zu sehr in erotischen Gedanken versinke. Immerhin bin ich nicht allein hier im Pool.

Gegen halb sechs fange ich an, mich aufzubrezeln. Meine blonden Haare trage ich zu einem einfachen Knoten. Da das Acapulco ein eher edles Restaurant ist, nehme ich an, dass ich meine Businesskleidung gegen etwas eleganteres eintauschen sollte. Nichts wäre mir unangenehmer als underdressed zu sein.

Gut, wozu hat man denn als Frau das berühmte kleine Schwarze im Schrank?

Während ich den leichten, fließenden Stoff über meinen nackten Körper gleiten lasse, hoffe ich, dass John mindestens genauso angeheizt ist, wie ich.

Ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen.

Pünktlich um 18:57 Uhr erreiche ich das Acapulco.

Schon im Foyer werde ich durch einen vornehmen Ober in Empfang genommen.

„Die Dame, wohin darf ich Sie geleiten?“, fragt der freundlich.

Ja wohin er mich geleiten darf, ist eine gute Frage. „Ich nehme an zu…“

„Frau Stelter, da sind Sie ja, schön Sie zu sehen!“, hakt sich John just in diesem Moment galant bei mir ein.

Wow, der kam ja genau im richtigen Augenblick. Der Mann hat offensichtlich ein Händchen für das perfekte Timing.

Der Ober nickt und rauscht davon, um die nächsten Gäste zu begrüßen.

Ich genieße die Berührung unserer Arme, während John mich zu einem kleinen Separee begleitet. In einer Nische mit gedimmten Licht und Kerzenschein steht ein einsamer gedeckter Tisch.

Galant zieht John einen Stuhl vor und lässt mich Platz nehmen.

Während er um den Tisch geht, folge ich ihm mit meinem Blick.

Ich muss mir auf die Unterlippe beißen. Dieser Mann sieht wieder einmal verboten sexy aus. Er trägt eine schwarze enge Hose. Dazu ein weißes Hemd, allerdings ohne Krawatte und den obersten Knopf hat er offengelassen, was ihn etwas lässiger wirken lässt, als in der Kanzlei. Dazu trägt er ein Jackett.

John setzt sich mir gegenüber. Ich weiß nicht so recht, was ich sagen soll, also entscheide ich mich für die Wahrheit. „John, wie komme ich zu der Ehre?“

Das „Sie“ habe ich kurzerhand gegen ein „Du“ eingetauscht.

Er guckt mir tief in die Augen. Vielleicht einen Tick zu lange. Sein Blick wandert direkt durch mich hindurch. Mir wird heiß und kalt zu gleich. Ich halte seinem Blick nicht stand und gucke auf die Serviette vor mir.

„Maja, es tut mir leid. Wie ich dich behandelt habe, die ersten Monate…“, setzt er an.

Höre ich da richtig? Mein Blick schnackt von der Serviette zurück zu ihm.

John fährt sich gerade mit seiner Hand etwas verlegen durch die Haare. Völlig unangebracht, aber gleichzeitig muss ich mir vorstellen, wie ich dort hineingreife und mich festhalte. Ich rutsche auf meinem Stuhl etwas hin und her.

John redet verlegen weiter: „Ich… ich war ein Arsch… Und es tut mir aufrichtig leid, Maja.“

So wie er aussieht, ist er wirklich geknickt. Fast möchte ich sagen: „Schwamm drüber!“, aber so leicht kommt er mir nicht davon. Ich kann mir die Frage nicht verkneifen: „Wieso? Ich meine, was habe ich dir getan?“

John guckt erschrocken. „Du? Du hast gar nichts getan!“

„Okay, dann erklär mir bitte das Problem!“

„Maja.“, er seufzt und setzt erneut an. „Du hast gar nichts getan. Außer… mich umgehauen. Vom ersten Moment an, als du mit deinen grässlichen Pumps durch meine Bürotür gekommen bist.“

Jetzt lächelt er mich an. Ich kann sehen, wie er ein bisschen rot geworden ist.

Wow, so ein Geständnis hätte ich jetzt nicht erwartet. Und auch nicht, dass er meine Pumps grässlich findet. Die sollte ich dringend mal gegen ein besseres Paar eintauschen.

Bevor ich etwas sagen kann, erscheint der Kellner, um unsere Bestellung aufzunehmen. Da ich keinen Blick in die Karte geworfen habe, bestellt John kurzerhand für mich mit.

Während wir auf unser Essen warten, schildert mir John seine Zwickmühle. Ich hänge wie gebannt an seinen Lippen und höre ihm einfach nur zu.

Irgendwie kriege ich zwischen Wein und seinen blauen Augen mit, dass er offenbar Angst hatte. Der große Chef hatte Angst, sich in eine seiner Angestellten zu verlieben. Und dass er das aber längst hat.

Und zwischen all diesen Geständnissen hoffe ich doch nur, dass dieses Essen bald sein Ende findet, denn ich habe Hunger nach so viel mehr.

Nach der Nachspeise bestellt John noch zwei Tequila als Absacker. Nach den drei Gläsern Wein steigt der mir genau in den Kopf und vernebelt mir die Sinne. Möglicherweise ist nicht nur der Tequila daran schuld, sondern viel mehr dieser heiße Mann mit seinen dunklen Wuschelhaaren.

Noch ehe ich weiter darüber nachdenken kann, begleicht John die Rechnung und bittet mich mitzukommen. Ich steige einfach in das bereitstehende Taxi ein.

Ich frage ihn nicht, wohin wir fahren. In diesem Moment würde ich ihm bis ans Ende der Welt folgen, nur um mit ihm zusammen zu sein.

Im Auto ist es ungewöhnlich still zwischen uns. Und doch könnte man meinen, dass es in der Luft knistert.

Bei jeder seiner Bewegungen schlägt mein Herz bis zum Hals. Ich kann es kaum aushalten, hier einfach nur auf der Rückbank zu sitzen und abzuwarten, was er nun mit mir vor hat.

Zu meiner Erleichterung dauert die Fahrt nur wenige Minuten, bis wir vor einer luxuriösen Appartementanlange halten und aussteigen. Ich hätte mir schon denken können, dass John etwas edler wohnt, als ich in meiner Zweizimmerwohnung.

Ohne ein Wort nimmt John meine Hand und zieht mich hinter sich her ins Hausinnere. Schon bevor die Türen des Fahrstuhls ganz geschlossen sind, finden seine Lippen endlich meine. Ohne jeglichen Widerstand lasse ich mich von ihm mit seiner Hüfte gegen die Fahrstuhlwand drücken.

Dieser erste Kuss ist so leidenschaftlich, dass John mich festhalten muss, damit ich nicht zu Boden sinke. Mir zittern im wahrsten Sinne des Wortes die Knie.

Als seine Zunge mit meiner spielt, bin ich Wachs in seinen Händen.

Ich möchte diesen Mann spüren, sofort.

Mein Atem kommt nur noch stoßweise und auch er kann sich nur noch schwer beherrschen.

Seine Hände, die langsam auf dem Kleid von meinem Hals über meine Brüste herab wandern, rauben mir fast den Atem.

Endlich greife ich mit meinen Händen in seine Haare. John riecht fantastisch. Genau die richtige Mischung aus Mann und einem teuren Aftershave. Bevor ich endgültig die Fassung verliere, öffnen sich die Türen des Fahrstuhls.

Wir steigen in der Mitte eines riesigen Lofts aus.

Für einen Moment bin ich komplett überwältigt. Ich muss mich einen Moment sammeln und so löse mich von John und gehe zur Glasfront, welche die komplette hintere Wand des Wohnzimmers ausmacht.

Gebannt stehe ich an der Scheibe und genieße den Blick über die Lichter der Stadt.

„Wow, das ist atemberaubend!“, flüstere ich in die Nacht hinein.

„Ich hoffe, dass du mir gleich den Atem raubst!“, haucht mir John ins Ohr, als er sich hinter mich stellt. Ich bekomme prompt eine Gänsehaut am ganzen Körper.

Dicht an mich gedrückt spüre ich seine Erregung im selben Moment, in dem sich seine Hand unter mein kurzes Kleid schiebt.

Als er merkt, dass ich keine Unterwäsche trage, saugt er scharf die Luft ein. „Bad Girl!“, flüstert er, bevor seine Finger für einen Augenblick in mir verschwinden.

Meine Beherrschung ist binnen eines Wimpernschlages passee.

Ich drehe mich zu ihm um und dieses mal bin ich es, die einen viel zu langen Moment in seine Augen blickt.

Von seiner Härte der letzten Monate kann ich nichts mehr finden. Vielmehr zeigen sie mir eine unendliche Wärme.

Während ich mit meinen Händen langsam sein Hemd aufknöpfe, verändert sich sein Blick. Ich kann in seinen Augen lesen, dass er mich will. Jetzt, sofort und mit jeder einzelnen Faser seines Körpers.

Ich erforsche den Bauch meines Chefs mit den Fingern. Das, was ich dort spüre, ist so viel besser als jegliche Vorstellung.

Johns Hände wandern nun fordernd von meinem Po meinen Rücken hoch. Eine Welle des Verlangens jagt durch meinen Körper und direkt in meine empfindlichsten Regionen.

Noch bevor ich zu einem neuen Kuss ansetzen kann, nimmt mich John auf seine Arme und trägt mich in sein Schlafzimmer.

Keine Sekunde zu früh, denn unter seinen Händen halte ich es vor Verlangen kaum mehr aus.

Ich bin mehr als froh, dass ich heute direkt auf Unterwäsche verzichtet habe.

Das was in dieser Nacht zwischen John, meinem Chef, und mir in seinen weißen Laken passierte, war der Anfang von etwas ganz Großem.

Ich kann durchaus behaupten, dass ich meinen Traumjob gefunden habe.

Und nicht nur das, ich habe dazu auch noch den Mann meines Lebens getroffen.

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