Schreibwettbewerb November Finalisten Mandy Schmidt

Heute geht es schon weiter mit der zweiten Geschichte, die es ins Finale geschafft hat.


Melody

»Florida!«, schrie meine beste Freundin Lexi, als wir endlich nach Stunden den lauen Sand zwischen unseren Zehen spürten.

Wir kannten uns schon aus der Schulzeit.

Seit der ersten Klasse wie Pech und Schwefel; waren aber noch niemals zusammen im Urlaub.

Um ehrlich zu sein, standen wir auch nur hier, weil wir wie die Verrückten dafür sparten.

Und dann war da noch Grace, die mit uns kam. Lexi´s Cousine aus Kanada.

Zum Schluss ließen wir uns doch noch dazu überreden sie mitzunehmen.

Diese ließ nun einfach plump ihre Handtasche neben mir nach unten fallen.

Wir hatten nicht einmal wirklich im Hotel ausgepackt, da sind wir schon schreiend und kreischend ans Wasser gerannt.

Dieses in einem wunderschönen Azurblau. Der Strand hellgelb. Die Palmen, wie aus einem Bilderbuch.

Und das Meer?

Das war einfach bloß der Wahnsinn.

Wir hatten sogar wirklich Glück mit unserer Unterkunft. Dreihundert Meter und wir waren hier am endlosen weiten West Palm Beach.

Da wir nicht in der Hochsaison flogen, war es nicht zu teuer und weniger Leute, wie angenommen.

Noch beim rennen, sah ich wie Lexi ihre kurzen Shorts nach unten zog, sowie ihr Oberteil vom Körper riss. Darunter trug sie nur ihre Unterwäsche, doch das war ihr allerdings ziemlich egal und wenig später stand sie knietief im klaren Wasser. Binnen weniger Sekunden wurde ihr goldenes Haar auch schon von den Wellen verschluckt.

Grace hinter mir kicherte: »Es ist echt schön hier. Ich hätte nicht gedacht, dass wir mit der spontanen Buchung so viel Glück haben werden.«

»Ich auch nicht.«, atmete ich erleichtert auf.

»Das Hotel ist zwar klein und einkaufen müssen wir auch noch, aber wir sind da und nur das zählt.«

Ich bereitete mir ein Handtuch im warmen Sand aus.

Die junge Frau mit den dunkelbraunen Locken und den grünen Augen neben mir; tat es gleich.

Zwar war ich durch den achtstündigen Flug etwas erschöpft, doch ich wollte mich nicht unbedingt allein ins Hotel begeben; außerdem waren wir hier um Spaß zu haben und nicht die zwei Wochen zu verpennen.

»Was ist los? Willst du so bleiben?«, wurde ich gefragt, da ich mittlerweile auf dem Boden saß.

Grace hatte sich ebenso schon die Klamotten ausgezogen. Ich hingegen sah an mir herunter und überlegte etwas zu lange, wobei Lexi´s Cousine auf eine Antwort wartete.

»Ja. Ich komme gleich nach.«

Ich sah, wie sie nickte und in Richtung Wasser verschwand. Mist. Das war das einzige, was mir Kopfzerbrechen bereitete. Mich nämlich auszuziehen.

Das hatte eindeutig meine Mutter vor Jahren versaut.

Als ich in die Pubertät kam, wurde meine Hüfte etwas breiter, die Brust größer und das Gewicht mehr. Meine beste Freundin meinte immer, dass ich eine total schöne frauliche Figur besaß, doch Mam sagte immer ich sei eindeutig zu fett.

Das Problem einen Jungen zu finden, hatte ich zwar noch nie, aber ich fühlte mich durch die täglichen Schikanen von ihr; einfach in meiner Haut nicht wohl. Deswegen war ich da auch etwas zurückhaltender.

Beim Sex musste das Licht immer aus sein und am besten der Mann berührte mich nur notdürftig.

Aus diesem Grund hielten wahrscheinlich auch meine Beziehungen nicht wirklich lange und irgendwann bekam ich einen totalen Wandel.

Ich wollte mich verändern.

Somit nahm ich zwar auch etwas ab, aber dadurch änderte sich nicht unbedingt meine Hüfte; und meine Brust blieb genauso riesig, was natürlich immer wieder teure BH´s mit sich zog. Darum färbte ich meine Haare in ein intensives Violett; damit ich dieses elende Straßenköterblond meiner Mutter nicht mehr ertragen musste und somit auch die Aufmerksamkeit meines Körpers auf etwas anderes lenkte.

Den Nasenring ließ ich mir dann stechen, um sie noch mehr auf die Palme zu bringen, sowie einige Tattoo´s auf meinem Oberarmen und Dekolletee.

Zum Schluss zog ich dann gezwungenermaßen aus, weil die Streitereien zwischen uns zu groß wurden und somit mit Lexi zusammen, die mich immer wieder aufbaute und erklärte, dass sie gern so hübsch wäre, wie ich.

Das meine beste Freundin nicht log, da war ich mir sicher, denn das sah ich ihr an.

Aber bei dem Ganzen war es eher anders herum.

Sie war die perfekte Frau, die jeder Typ wollte. Ich war da meist nur die zweite Wahl, wenn ein Mann bei ihr abtreten konnte und bei denjenigen der mich wirklich wollte, versaute ich es mir wahrscheinlich selbst, indem ich einfach zu verklemmt war.

»Was nun?«, rief Grace, die auf halben Wege dann doch auf mich wartete.

Mit mulmigen Gefühl sah ich nach links und rechts und zog mich dann doch aus.

Unsicher lief ich kurz darauf durch den fast weißen Sand. Grace vor mir lächelte, starrte mich allerdings gar nicht komisch an und das beruhigte mich schon ungemein.

Noch einmal blickte ich mich eilig um und musste zum Glück fest stellen, dass hier allgemein kaum einer war und wenn, dann wurde ich nicht beachtet.

Auch nicht von einer einsamen männlichen Person, die bei uns am nächsten hockte.

Leise seufzte ich auf und entkrampfte mich etwas.

Daraufhin lief ich zu den anderen beiden, die mittlerweile dabei waren sich das Wasser gegenseitig ins Gesicht zu spritzen.

»Komm rein, Jasmin Melody Roades und stell dich nicht so an. Hier guckt dir keiner was ab. Das Wasser ist super.«, hörte man Lexi rufen.

Augenblicklich rannte ich dann doch lachend hinein und verbrachte somit einige Zeit im warmen Nass.

Wir hatten nicht einmal bemerkt, wie schnell eigentlich später Nachmittag wurde und der ebenso noch verflog.

Auf der Seite vom Strand, wo wir uns befanden, wurde es stetig leerer und auch der Mann entfernte sich immer mehr und schloss sich einer etwas größeren Truppe weiter weg von uns an.

Flammen loderten auf und man sah von hier, dass einige Jugendliche dort ein Lagerfeuer machten, was natürlich Lexi nicht entging.

Sofort spürte ich ihre neugierigen Blicke auf uns.

»Komm wir schauen dort drüben mal vorbei.«, griente sie zugleich.

»Uns selbst einladen?«, fragte Grace mit aufgerissenen Augen und meine beste Freundin nickte aufgeregt.

Mich wunderte es gar nicht, da ich wusste, wie sie war. Offen, manchmal dreist, aber doch total sympathisch.

Ohne weitere Worte, warf sie sich ihre Klamotten über und winkte uns zu sich, wobei wir ihr prompt folgten.

»Was ist, wenn es irgendwelche Spinner sind oder Drogenjunkies?«, begann Grace und ich schüttelte nur den Kopf.

»Es wird schon nichts passieren und wenn, hast du noch deine Beine. Benutze die.«, feixte ich und folgte meiner Besten. Schon von Weitem sah ich einige Leute in unserem Alter.

Von Anfang bis Mitte zwanzig.

Allerdings fiel mir eines auf: Die Gruppe bestand fast nur aus Männern.

Die Typen konnte ich nicht einordnen.

Auf alle Fälle floss ziemlich viel Alkohol, das war klar.

Die wenigen anwesenden Frauen trugen kaum Kleidung und waren ziemlich freizügig. Natürlich schaute ich sofort an mir herunter. Mit meiner schwarzen zerrissenen Jeans und dem dunklen bauchfreiem Shirt, war ich schon eine extreme Ausnahme.

»Hey. Guck mal da.«, fing einer an und zeigte auf uns drei. »Na habt ihr noch ein Platz für uns?«, fragte Lexi gleich und setzte ihr schönstes Lächeln auf, wobei wieder einmal jeder Mann schwach wurde.

»Na klar. Kommt her.«, griente ein anderer, der in dem Moment sein T-Shirt auszog und begann mit seinen Muskeln zu spielen.

Umgehend verdrehte ich die Augen, als ich plötzlich von hinten eine dunkle raue Stimme wahr nahm.

»Du hast auch nichts besseres zu tun, als irgendwelche Weiber anzubaggern, oder?«

Es klang abweisend und nicht gerade erfreut jemanden Fremden hier zu sehen. Bei dieser Schärfe in der Stimme, hätte ich am liebsten wieder das Weite gesucht, obwohl sie doch so undurchdringlich und sexy klang.

Auch Grace schien sich nun nicht mehr sonderlich wohl zu fühlen, wobei Lexi nur dümmlich grinste.

»Neidisch?«, lachte sie und setzte sich neben den halbnackten Typen.

Tattoo´s zierten seinen Körper und durch die aufkommende Dunkelheit, sahen seine braunen Augen fast schwarz aus.

Er widmete sich sofort ihr zu, drückte ihr einen roten Becher mit irgendwelchem Zeug in die Hand, stand auf und tat es auch bei Grace und mir.

»Trink das nicht!«, raunte es plötzlich hinter mir und ich hielt in meiner Bewegung inne, denn ich wollte augenblicklich mein Getränk an den Mund führen.

Ich wusste, dass es noch immer der gleiche Typ war, der sich wohl nicht gerade freute, dass ich überhaupt vor seiner Nase stand.

»Warum?«, wollte ich wissen, drehte mich herum und sah in ein Gesicht, was echt perfekt zu sein schien.

Dunkle braune Haare hingen über der rechten Gesichtshälfte. Blaue Augen schauten mich genervt an und seine Lippen waren voll. Er trug eine helle Jeans und eine schwarze Lederjacke, wobei auf seinem Handrücken und Hals unzählige Bilder eingemeißelt wurden.

Die Flammen des Feuers machten ihn gefährlich.

Vielleicht war er es ja auch und irgendwie erinnerte er mich an jemanden von früher.

Um ehrlich zu sein, an einen Jungen, den ich seit fast genau zehn Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Alexander Leech, hieß er. Aber nein. Das kann nicht sein. Er und seine Familie sind vor langem nach Europa ausgewandert. Seitdem versuchte ich ihn immer wieder zu verdrängen, da er Knall auf Fall verschwand und niemals etwas von sich hören ließ.

Es war der erste Junge in den ich mich verliebte; so wie damals jedes Mädchen, aber womöglich war er schwul oder so, da keine eine Chance bei ihm hatte.

Zumindest sah dieser Typ mich dann plötzlich nachdenklich an. In dem Moment, als ich aber etwas daraufhin erwidern wollte, kreischte plötzlich eine hohe Stimme: »Alec… Was stehst du mit der da ´rum? Komm zu uns.«

Das rothaarige aufgetakelte Mädchen musste schon einiges intus haben, denn sie schwankte extrem, als sie bei uns ankam, legte ihren Arm auf seine Schulter und wollte ihn mit sich ziehen, doch er entwand sich mit einem angewiderten Blick aus ihrer Berührung und ging einfach weg.

Ja.

Er ging weg.

Zu diesen anderen Typen, der neben Lexi saß. Kurz dachte ich über seine Worte nach, zuckte mit den Schultern und trank dann doch, wie jeder andere, aus meinem Becher.

Das Zeug schmeckte widerlich, aber der extrem starke Alkohol wärmte mich auch wiederum.

Deswegen war mir Wurst, was dieser junge Mann da sagte und ich hörte einfach nicht mehr darauf, sondern beobachtete ihn stumm und heimlich.

Er gestikulierte wild und zeigte immer wieder auf seine Uhr, so als müssten sie dringend weg und ich dachte erneut an diesen Jungen von damals.

Vollkommen neben der Spur schüttelte ich mit dem Kopf. Auch wenn wir früher Freunde waren, konnte ich ihm nur scheiß egal gewesen sein, sonst hätte er sich nach alle den Jahren irgendwann gemeldet und wenn, dann hätte er mich doch erkannt, oder?

Er konnte es einfach nicht sein.

Vielleicht war er ihm nur etwas ähnlich.

»Hey, Kleine. Coole Haarfarbe.«, erschreckte mich plötzlich jemand und legte seine Hände auf meine Hüfte.

»Danke!«, versuchte ich zu lächeln und trat einen Schritt zurück.

Eigentlich kam er wie gerufen, denn so floh ich aus meinen irrsinnigen Gedanken.

Vor mir stand einer, der aussah, wie ein typischer Collegeboy. Blondes Haar.

Grüne Augen.

Zahnpastalächeln.

Schon irgendwie niedlich.

Sein Blick fiel hinter mich, wobei ich in einem Zug den Becher leerte.

War ist da drin? Dieses Zeug stieg ziemlich schnell zu Kopf und ich suchte mit den Augen die Leute ab, um Grace und Lexi zu finden, die unvermutet irgendwie in der Masse verschwunden zu sein schienen, doch dann entdeckte ich die Erste.

Grace unterhielt sich mit einem anderen Mädchen, wobei meine beste Freundin in diesem Moment, etwas auf einen kleinen Zettel schrieb.

Ich trottete augenblicklich zu ihr und fragte: »Was soll das werden?«

Sie hingegen hob die Hand und wedelte mit dem Stück Papier vor meiner Nase herum, wobei ein anderer Typ genau das gleiche, wie sie tat.

Ich schaute direkt über seine Schulter.

Er schrieb gerade: Suche Freundin.

Dahinter kritzelte er eine Handynummer, sowie den Absender. Waren wir hier im Kindergarten?

Ich gluckste und Lexi bemerkte dies sofort.

»Weißt du, wie lange ich das schon nicht mehr gemacht habe?« Sie ergriff eine leere Flasche, steckte den Zettel hinein und ging auf das Wasser hinzu.

Erst wollte ich ihr noch nachlaufen, doch da wurde mir schon wieder ein Becher in die Hand gedrückt.

Sie hingegen holte aus und schmiss ihre Flaschenpost laut lachend ins Meer, diese wurde postwendend von der Schwärze verschluckt.

Kichernd kam sie zurück und wurde grinsend von dem fremden Typen in den Arm genommen, so als wären sie plötzlich unzertrennlich.

Was mich dann aber irritierte war, dass Lexi schlagartig, wie aus heiterem Himmel, mitgezogen wurde.

»Hey, wo wollt ihr denn jetzt hin?«, rannte ich ihnen nach und bemerkte, dass ich das Zeug einfach nicht vertrug.

Ich taumelte schon in diesem Moment.

»Lexi.«, maulte ich.

»Komm einfach mit.«

»Aber was ist mit Grace?«

»Die ist eh beschäftigt.« und ich sah sie erneut mit diesem Mädchen, mit dem sie die ganze Zeit sprach.

Sie schob ihr gerade ungelogen die Zunge in den Hals.

Ich hob die Braue, biss mir auf die Lippe und wusste nun nicht, was ich machen sollte.

Hier bleiben oder mitgehen?

Die Entscheidung wurde mir aber abgenommen, als der junge Mann von zuvor überraschenderweise meine Hand ergriff und mich mit sich zog.

Wir folgten den anderen, wobei die Gruppe immer größer und lustiger wurde.

Ich bin eine junge Frau, ich sollte mal endlich aufhören zu denken und mein Leben einen Moment genießen und begann mich in dumme sinnlose Gespräche mit einzuklinken, lachte viel und trank auch einiges.

Zwar wusste ich nicht mehr, in welchem Stadtteil wir uns nun befanden, doch um so mehr der Alkohol floss, um so mehr wurde es mir einfach nur egal.

Lichter flogen an mir vorbei.

Autos, die mich blendeten.

Musik aus einer anderen Ecke dröhnte.

Ein Mädchen was schrie: »Hier lang. Kommt.«

Eine Seitenstraße.

Noch eine.

Dann eine Sackgasse.

Der Bass wurde lauter; dumpfer.

Müllberge in einer Ecke.

Mattes Licht, wo die Birne flackerte und eine Stahltür woraus ein beschwipster Mann taumelte, wobei blaues Neonlicht die dunkle Gegend erhellte.

Mittlerweile mussten wir so ungefähr zehn Leute sein.

Lexi war genau vor meiner Nase. Der Zahnpastatyp neben mir.

Noch immer hatte er meine Hand in seiner; zog mich weiter dort hinein.

Ziemlich betrunken stolperte ich ihm hinterher, sodass alles nur noch an mir vorbeirauschte und wie in Trance vorkam.

Männer standen so breit wie Autos herum, ließen uns aber dann doch hinein, auch wenn keiner mehr nüchtern war.

Ich wurde binnen weniger Minuten eine Treppe heraufgezogen.

Die grellen Lichter ließen zwar etwas nach, aber dafür wurde die Luft immer stickiger.

Schweißgeruch strömte mir entgegen.

Die Musik dröhnte ausnahmslos in meine Ohren und nur kurze Zeit später tauchte ich in einen großen Saal.

Scheinwerfer strahlten auf eine Bühne, worauf vier Typen standen.

Eine Band.

Große Banner machten Werbung und der Name »Dirty Shit« tauchte mehrmals in diesem großen, mit Leuten befüllten, Raum auf.

Rockmusik strömte in jeden Winkel meines Hirns und mein Blick fiel über die springende Masse.

Die Band war mir zwar vollkommen unbekannt, aber sie klang echt gut. Meine Augen suchten zugleich neugierig das Rampenlicht ab und blieben am Sänger hängen.

Alec, fuhr sofort der Name in meinen Kopf und ich achtete nur noch auf ihn.

Er trug ein Achselshirt und unzählige Tattoos verdeckten seine helle Haut. Die Haare waren verschwitzt und er grölte gerade seinen Songtext ins Mirko.

Allerdings drehte es mich durch den vielen Alkohol immer mehr und ich stützte mich an der Wand ab.

Da ich genau neben den Boxen stand war ich von Anfang an nicht all zu weit von den Musikern weg und ich erkannte auch kurzerhand den Drummer vom Lagerfeuer, den Alec drängelte.

Nebel versperrte mir dann kurz darauf nun die Sicht und ich suchte Lexi.

Ihre Zunge ging auf Tauchfühlung mit ihrer neuen Eroberung.

Der Rest brüllte mit der Band mit.

Wie lange dieses Konzert ging, wusste ich nicht. Nur das ich dort nicht lange aushielt. Es ging einfach nicht.

Ich brauchte dringend frische Luft, sonst würde ich in den Saal kotzen und mir fiel die Tür hinter mir wieder ein, die zu diesem Zeitpunkt jemand schloss.

Eine Toilette wäre ebenso mal angebracht gewesen und ich bemerkte nur noch, wie das Publikum lauter wurde.

Das Lied schien zu Ende zu sein und ich steuerte taumelnd auf die Tür zu, drehte mich allerdings noch einmal zur Bühne und sah den Jungs dabei zu, wie sie sich feiern ließen, bis plötzlich Alec in meine Richtung blickte.

Er bemerkte mich sogar und seine Augen bohrten sich in meine.

Das er mich von zuvor erkannte, zeigte ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen, aber ich achtete nicht groß darauf.

Vielleicht meinte er ja doch jemanden anderen.

So ein Typ würde sich sicher niemals für mich interessieren, wenn er genügend andere Frauen bekommen kann, dachte ich so bei mir und drängelte mich durch knutschende Paare, durch Menschen, die tanzten oder mit anderen lachten.

Immer wieder spürte ich Hände auf meinem Arsch oder wie diese mich anderweitig betatschten, doch das war mir ebenso egal.

Ich war betrunken und musste an die Luft.

Der Kampf durch die Massen war anstrengend, aber ich schlug mich tapfer weiter in die Freiheit, bis ich sie endlich erreichte. Anstandslos drückte ich die Klinke nach unten, stolperte hinaus und die Stufen nach unten.

Fast wäre ich noch auf den Asphalt gestürzt, aber rechtzeitig am Hosenbund festgehalten.

»Nicht so schnell, Kleines!«, raunte es und ich wurde wieder auf die Beine gestellt.

Warme Hände kurz an meinem Bauch, berührten mich sanft und drehten mich zu der Person herum.

Er war es.

Alec, der mich eindringlich musterte.

Urplötzlich war er so unfassbar nahe.

Seine unglaublichen Augen bohrten sich in meine, als er mir eine verlorene Strähne aus dem Gesicht strich.

»Warum hast du diesen Mist getrunken?«, murmelte er. »Warum interessiert dich das überhaupt?«, gab ich benebelt von mir.

»Weil ich mit dir noch etwas vor habe.«

Sein Blick wurde intensiver und ich verlor mich fast darin. »Was?«, hauchte ich.

Träumte ich das, oder passierte das alles wirklich?

»Oh, Melody. Glaubst du ich lass mir dich noch einmal durch die Lappen gehen? Diesen Fehler vor zehn Jahren, mache ich nicht noch einmal.«

»Alexander…«, winselte ich ungläubig.

Ein leichtes Lächeln huschte über seine sinnlichen Lippen und nur eine Sekunde später spürte ich schon seinen Mund auf meinen.

Ende

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