Schreibwettbewerb – Juni/Juli- Finalisten – Anja Völker

Heute nun möchten wir Euch die Finalisten des Schreibwettbewerbs aus den Monaten Juni und Juli 2017 posten. Herzlichen Dank an allen fleißigen Teilnehmern.
Beginnen werden wir mit Anja Völker, deren Geschichte es ins Finale geschafft hat. Vielen Dank für Deine Teilnahme und herzlichen Glückwunsch.

Euch wünschen wir viel Spaß beim Lesen,

Euer Lounge Team.


Der erste Augenblick
Anja Völker

Man sollte nie sagen, dass es die Liebe auf den ersten Blick nicht gibt, denn jeder hinter Ecke, kann sie auf einen warten. Unverhofft und ohne jedes Vorzeichen kann sie einen treffen und wenn sie da ist, dann lässt man sie nicht so einfach gehen. Es ist wie ein Feuer das immer heißer wird und nicht verlöschen will. Je mehr man sich entzieht, desto kälter wird einem und man sucht die Quelle, bis man angekommen ist.

Der erste Augenblick

Joan war Anfang zwanzig, attraktiv, sportlich und ehrgeizig. Ihr größter Wunsch war es schon immer den Star´s und Sternchen nahe zu sein, von daher, beschloss sie, vom Land in die Stadt zu ziehen, doch vorerst musste ein Job her, denn ohne brauchte sie erst gar nicht, aus dem elterlichen Anwesens zu gehen.
Das Durchforsten der Zeitungen und des Internets war ihre tagtägliche Aufgabe, denn sie wollte so schnell wie möglich weg. Weg von all dem, so schien es für sie, langweiligen Aufgaben, die eine Pferdezucht so mit sich brachte. Sie hatte genug von dem tagtäglichen Pferde fütter, Ställe ausmisten usw. Für sie stand fest, sie ist zu etwas Besseren auserkoren.
Ihre Eltern ließen sie in dem Glauben und hofften sie würde, wenn sie einmal die Risiken der Großstadt kennen gelernt hatte, selbst zur Vernunft kommen.
Der passende Job war schnell gefunden und auch die passende Wohnung, nicht weit davon entfernt.
Inserat: Gemütliches Zwei – Zimmer- Apartment mit Ausblick auf den Hollywood Boulevard, Küche, Bad mit Wanne, 1 Wohn- und Esszimmer, 1 Schlafzimmer. Die Wohnung ist sehr hell und möbliert. Preis pro Monat 700 Dollar. Bei Interesse können Sie sich gerne bei mir telefonisch melden und eine Nachricht hinterlassen.
Da der ausgeschriebene Job ebenfalls in der Nähe war, Joan entschied sich vorerst für einen Kellnerjob, passte es. Es war zwar noch nicht das, wo sie gerne hin wollte, doch es war erst mal ein Anfang um zu Beginnen. Also schnappte sie sich das Telefon und rief an, am anderen Ende meldete sich eine sympathische Stimme:
„Hallo hier ist Kate Simens, wie kann ich Ihnen helfen?“
„Guten Tag. Mein Name ist Joan Lang und ich rufe auf Grund Ihres Inserates an und wollte fragen, ob die Wohnung noch zu haben ist.“
„Ah, ja die Wohnung steht noch frei und sie können sie gerne ansehen, wenn sie möchten.“
„Ich würde sie lieber gleich Mieten wollen und wollte fragen, was Sie für Unterlagen bräuchten.“
„Oh, da muss ich Ihnen sagen, dass ich sie gerne erst einmal kennen lerne möchte, da ich ganz gerne auch persöhnlichen Kontakt mit meinen Mietern habe. Wie wäre es, wenn wir uns Morgen treffen und dann schauen wir weiter?“
Joan stutze einen Moment.
„Ja wissen sie, ich wohnen noch in Michigan und würde gerne nach Hollywood ziehen, von daher ist ein spontanes erscheinen leider so nicht möglich.“„Das kann ich gut verstehen. Dann würde ich sagen, sie melden sich, sobald sie hier sind und ich werde Ihnen die Wohnung vorerst frei halten.“
„Danke, dass ist sehr lieb von Ihnen, dann melde ich mich am Ankunfstag bei Ihnen und dann schauen wir weiter.“
„So machen wir es. By.“
„By.“
Für Joan war es erst mal etwas sicherer und so ging es ans Packen, der Sachen. Ihre Eltern waren nicht wirklich begeistert und ein Hauch vom Schwermut, machte sich bei Ihnen breit.
Das Auto war gepackt,voll getankt, und bereit zur Abfahrt. Da Joan gleich nach der Ankunft das Gespräch mit ihrem Boss hatte, entschied sie sich, ihr blauen Sommerkleid anzuziehen. Ein wenig Bein zeigen, hatte ja bekanntlich noch nie geschadet.
„Pass auf dich auf und melde dich, sobald du angekommen bist, ja!“ Ihre Mom klang besorgt und traurig zugleich.
„Mach dir keine Sorgen Mom. Ich werde mich melden, jeden Tag.“
„Ich verlasse mich darauf.“
„Kannst du. Mach dir nicht zu viele Sorgen, ich pass auf mich auf versprochen.“
Ihre Mom nickte leicht und Tränen liefen über ihre Wangen. Von Ihrem Dad bekam sie nur eine flüchtige Umarmung und einen Briefumschlag, mit der Bitte, ihn erst in L.A. zu öffnen. So umarmte sie noch einmal liebevoll ihre Mom, stieg ins Auto und fuhr los.
2280 Meilen lagen nun vor ihr und in zwei Tagen musste sie fit hinter dem Tresen stehen, von daher beschloss sie durchzufahren und, falls sie doch die Müdigkeit überkommen sollte, im Auto zu schlafen, denn Hotels waren ihr zu teuer und sie brauchte jeden Cent.
Angekommen in L.A. rief sie Miss Simens an und sie verabredeten sich am Apartment. Ungeduldigt lief sie vor dem Hauseingang hin und her und hielt Ausschau, bis sie eine junge Frau auf sich zukommen sah. Ihre langen blonden Haare wurden vom leichten Wind nach hinten geweht. Die schlanke Siluete, wurde von einem schwarzen Anzug betont und der schwarze Aktenkoffer wirkte ziemlich plump in ihrer Hand.
„Hy. Du musst Joan sein. Ich bin Kate.“ Sie schaute sie aus ihren großen braunen Augen an und ein freundliches Lächeln huschte über ihre wohlgeformten roten Lippen.
„Hy, ja ich bin Joan. Freut mich sie kennen zu lernen.“
„Die Freude ist ganz meinerseits, dann gehen wir mal nach oben, dann kannst du dir alles ansehen.“
„Okay.“
Joan folgte ihr in die erste Etage. Der Hausflur wirkte eher schlicht und strahlte doch eine ruhige und wohnliche Atmosphäre aus. Die breite Steintreppe war von einem massiven Eichegeländer eingefasst und die Verzierungen wirkten wie kleine Wasserfälle. Ein leichter Blauton, der die Wände einfasste, ließ einen zur Ruhe kommen. Schnell waren sie im ersten Geschoss und Kate schloss die Wohnungstür auf.
Joan betrat langsam den Flur der, wie fast bei allen Wohnungen, in die Wohnküche überging. Die Wände waren in einem schlichten weiß gehalten und die Möbel schienen auch schon so einige Jahre zu stehen. Die Farbe sprach nicht gerade für sich, denn es war ein Wildes zusammengewürfelt aus Braun und Schwarz. Kate ging vor und zeigte ihr auch die anderen Räume. Das Bad war geräumig und die große Eckbadewanne lud förmlich zu ausgiebigen Badestunden ein. Im Schlafzimmer stand ein schlichtes Bett und ein dreitüriger Kleiderschrank. Der große Spiegel in der Mitte, hatte wohl auch in der vergangenen Zeit kaum einen Putzlappen gesehen.
„Halb so wild“, dachte sich Joan, „das bekommen ich schon hin. Mit ein wenig Geduld wird es hier schnell wohnlich.“
„Sorry.“ funkte ihr Kate zwischen die Gedanken. „Der letzte Mieter hat hier alles mitgehen lassen, so dass ich gerade mal das nötigste angeschafft habe. Wenn du möchtest, dann richte dich so ein, wie du es willst. Sag mir bescheid und ich lasse das, was du nicht haben möchtest abholen.“
„Ich bin froh, dass ich erst mal was habe, von daher ist es okay, alles weitere wird man sehen.“
„Gut, dann denke ich, machen wir den Vertrag fertig.“
„Okay.“
Joan freute sich innerlich Wahnsinnig, denn so brauchte sie nun wirklich nur noch die Straße runter zu ihrem Arbeitsplatz zu laufen und bräuchte, nicht noch x Stunden durch die Stadt fahren.
Schnell hatten sie beide unterzeichnet und Kate bekam die Miete für die ersten beiden Monate.
„Dann wünsche ich dir erst mal ein gutes ankommen und viel Spaß. Vielleicht sehen wir uns ja in Zukunft öffter.“
„Ja, ich würde mich freuen und danke erst einmal.“
Nachdem sie sich die Hand gereicht hatten, trafen sich kurz ihr Blicke und sie hielten einen Moment inne. Joan ließ Kate´s Hand los und blickte schüchtern zu Boden. Kate lächelte kurz und drehte sich um, ging die Treppe hinunter und Joan hörte nur noch die Haustür ins Schloss fallen. Als sie sich gefangen hatte, richtete sie noch einmal ihr Kleid und machte sich auf den Weg zur Arbeit, schließlich wollte sie an ihrem ersten Tag nicht zu spät kommen.
Dort angekommen, betrat sie zum ersten mal die Bar und wurde überrascht. Von außen wirkte der Laden eher schlicht und billig, doch im inneren übertraf er alles. Der Eingangsbereich wurde von zwei Männern bewacht, die sie mit einem leichten Pfeiffen durchließen. Eine schmale Treppe, die mit rotem Teppich bedeckt war, führte ins Untergeschoss. Eine große Bar und etliche Tische füllten den Raum aus und am anderen Ende war eine „relativ“ große Bühne zu sehen, die leicht Platz für zehn Leute bot. Die anschließende Tanzfläche bot auch noch genügend Raum und die Discokugeln wirkten eher kitschig zu dem gesamten Rest.
„Oh man ist das groß hier.“ Joan schluckte und ließ die ganzen Eindrücke auf sich wirken. Die Kerzen an den Wänden, die als Wandleuchten diente, die großen Kronleuchter, die genug Licht abwarfen um einen Ballsal zu beleuchten und die etlichen Bilder von Promis an den Wänden. Sie trat näher an die Bar, die auch nicht gerade unansehnlich war und Platz für mindestens 20 – 30 Gäste bot.
Ehe sie alles erfassen konnte, wurde sie schon wieder in die Realität zurückgeholt.
„Hy, du musst Joan sein. Ich bin Mick, der Chef des Hauses.“
„Hy, angenehm, schön sie kennen zu lernen.“
„Nun sei mal nicht so förmelich, wir Dutzen uns hier alle.“
Joan grinste nur.
„Okay, dann du“, erwiderte sie.
„So Liebchen, den Vertrag unterschreiben wir beide jetzt und dann gehst du nochmal nach Hause und kommst heute Abend gegen 22 Uhr wieder. Deine Schicht geht bis morgen früh um 6. Ich werde dir dann alles zeigen und der Rest findet sich von alleine. Mach dir keinen Streß und lass dir Zeit. Du fängst mit 10 Dollar die Stunde an, Trinkgeld kannst du behalten.“
Joan nickte, unterschrieb den Vertrag und machte sich auf den Heimweg. In der Wohnung angekommen packte sie ihre Sachen aus, nutze die große Badewanne und ließ sich ein Bad ein. Anschließend nahm sie sich die Zeit, ihre langen braunen Haare sorgfältig in Lockenwickler zu packen und zu föhnen.
Kurz vor halb zehn machte sie sich auf zur Bar und dort angekommen zwängte sie sich in die Arbeitskleidung, die aus einem schlichten schwarzen Hosenanzug bestand. Mick erklärte ihr kurz den Ablauf und schon ging es los. Die ersten Gäste besetzen die Plätze an der Bar und im nu füllte sich der Laden. Joan hatte zu tun um hinterher zu kommen.
Als sie erneut an der Bar die Bestellungen aufgab, traf sie Kate.
„Guten Abend Kate.“
Kate sah sich um und schmunzelte.
„Guten Abend, wie ich sehe hast du schon am ersten Tag alle Hände voll zu tun.“
„Ja es geht so, ich find mich schon zurecht.“
„Schön zu hören. Vielleicht hättest du ja nach Feierabend noch Lust auf einen Kaffee?“
Joan nickte und ging ihrer Arbeit nach, doch insgeheim fragte sie sich, was das alles sollte. Irgendwie strahlte Kate etwas aus, was sie magisch anzog und sie neugierig machte.
Die Zeit verging wie im Flug und schnell konnte sie die Abrechnung machen, staunte nicht schlecht, als sie das Trinkgeld in die Hand bekam.
„Bist du dir sicher Mick?“
„Ja bin ich“ , er lachte, „ das ist noch wenig für einen Abend, warte bis du länger hier bist, dann siehst du was ich meine.“
Joan lächelte zufrieden und ging sich umziehen.
Kate saß immer noch an der Bar und trank, genüsslich, ihren Cosmopolitan, als Joan auf sie zukam.
„Na wie schauts, noch Lust auf einen Kaffee?“
„Ja sicher, sonst wäre ich nicht geblieben.“
Wieder zeigte sie dieses sanfte Lächeln und Joan überkam eine Gänsehaut.
„Okay, denn sag wo wir hingehen, ich kenn mich ja hier noch nicht so wirklich aus.“
„ Gut, dann gehen wir ins Holly. Die Terrasse bietet einen traumhaften Ausblick bei Sonnenaufgang.“
Sie betraten das Café, gingen auf die große Terrasse und setzten sich nahe an den Rand um den Blick besser genießen zu können. Kate bestellte zwei Kaffee und ein ausgiebiges Frühstück.
„Wer so hart arbeitet, der muss auch essen. Sei mein Gast, dass nächste mal bin ich deiner.“
„So so, das nächste Mal.“
„Ja warum nicht. Ich sagte dir doch es wäre schön, wenn wir uns öffter sehen würden.“
„Nein, du sagtest, vielleicht sieht man sich mal öfters.“
Ihre Blicke trafen sich abermals und aus den leichten lächeln, von beiden, wurde ein herzhaftes Lachen. Das Frühstück wurde serviert und beide begannen in Ruhe zu essen.
Kate sah Joan die ganze Zeit an und wieder huschte ihr dieses seltsame Lächeln über die Lippen.
„Was ist? Hab ich irgendwas im Gesicht, was da nicht hingehört?“ Joan war unsicher.
„Nein, alles gut.“
„Was starrst du mich dann die ganze Zeit so an?“
„Ich genieße die Ausicht.“
„Hm, dann schau doch auf die Stadt und nicht auf mich.“
„Wieso? Ich habe die beste Aussicht, die ich haben kann.“
Kurz wurde es wieder ruhig und Joan glaubte, rot zu werden. Es war eher seltsam, aber sie fühlte sich in ihrer Nähe immer wohler und so langsam glaubte sie, zu verstehen, was man damit meinte, wenn man von der Liebe auf den ersten Blick sprach. Diese magische Anziehung wurde mehr und mehr und sie fühlte sich komplett.
„Glaubst du an die Liebe auf den ersten Blick?“
Joan hob verwundert ihren Kopf und ihr Gesichtsausdruck musste wohl Bände gesprochen haben.
„Kannst du Gedanken lesen?“
Sie wusste, dass man nicht mit vollem Mund sprach, doch es platze aus ihr heraus.
„Nein nicht wirklich, aber ich habe mich noch nie so wohl gefühlt und vom ersten Moment an, war eine Vertrautheit zwischen uns, die ich vorher noch nicht kannte. Du ziehst mich magisch an und ich weis den Grund nicht, doch ich würde ihn gerne mit dir herausfinden.“
Kate´s Augen strahlen und Joan verlor sich ganz darin.
„Na dann tun wir es doch einfach.“
„Was?“
„Lass uns herausfinden, was uns so miteinander verbindet.“
Jetzt war es Kate, die kurz schluckte und mit einem erleichterten Aufatmen, nickte sie.
Beide aßen in Ruhe zu ende und tranken gemütlich ihren Kaffee aus. Sie redeten noch über dies und jenes und immer wieder lächelten sie sich an. Gegen Mittag machten sie sich auf den Weg. Kate setze Joan an ihrere Wohnung ab und fuhr weiter. Joan lächelte, als sie an den Vormittag zurück dachte, sie ging in ihre Wohnung, machte sich frisch und versuchte noch einige Stunden zu schlafen.
In den folgeneden Tagen und Wochen trafen sie sich immer häufiger, redeten viel und erfuhren immer mehr vom anderen. Das Interesse wuchs auf beiden Seiten und wie so oft am Anfang, wurde aus dem damaligen kennenlernen Freundschaft. Zusammen gingen sie shoppen und unternahmen Ausflüge, trafen sich mit Freunden.
Auch ein Besuch bei Joan´s Eltern viel mehr als positiv aus. Die Akzeptanz, die beiden entgegengebracht wurde, war einmalig und Joan hätte nie damit gerechnet. Doch sie wahr glücklich und das zählte für sie mehr als alles andere und sie sah auch, dass ihre Eltern es mitbekamen, denn das Lächeln von beiden sprach mehr als tausend Worte. Joan hatte einen Traum, doch durch einen liebevollen Menschen wurde dieser Traum erst komplett und sie hatte nicht mehr das Gefühl etwas besseres zu sein oder sein zu müssen. Sie hatte ihren Stern gefunden und das durch einen einzigen Anruf. Hätte ihr damals jemand gesagt, dass sich alles so wenden würde, sie hätte es nicht geglaubt und wäre stur ihren Weg weitergegangen.

Joan und Kate festigten ihre Freundschaft weiter und beschlossen, gemeinsam, den Weg in die Zukunft zu erkunden. Jeder ging weiter seiner Arbeit nach und schon nach einigen Wochen zogen sie in eine gemeinsame Wohnung. Keine von beiden wusste, was sie erwarten würde, doch egal was kommen sollte, sie wollten es beide erleben.

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