REZENSION The Belles 1: Schönheit regiert von Dhonielle Clayton

»Was die Göttin der Schönheit schenkt, kann die Göttin der Schönheit auch wieder nehmen.«

Was passiert, wenn du in einer Welt wie Orléans lebst, wo Schönheit zur Besessenheit wird?

Schönheit bedeutet Macht.
Schönheit ist ein Privileg.
Schönheit wird zum puren Luxus.

Die Belles. Ein kleiner Kreis aus jungen Mädchen, die die besondere Gabe besitzen, Schönheit zu kreieren. Die vollkommene Perfektion. Diese ehrenwürdige Aufgabe kommt mit allerhand Verpflichtungen einher, denn Schönheit wird nicht einfach willkürlich verschenkt, sondern sie ist an gewisse Bedingungen geknüpft.

Camelia ist eine Belle. Gemeinsam mit ihren Schwestern hat sie jahrelang gelernt, experimentiert und an ihren Fähigkeiten gefeilt, um diese Rolle ideal auszufüllen. Als endlich der Tag kommt, an dem sie der Öffentlichkeit ihr Können unter Beweis stellen soll, will Camelia natürlich als Beste, als sogenannte Favoritin hervorgehen. Mit diesem Tag ändert sich Camelias komplette Weltanschauung, denn Schönheit hat ihre Schattenseiten. Die Gesellschaft, besessen von der makellosen Ästhetik, zeigt immer öfter ihre innere Hässlichkeit.

Gleich zu Beginn der Geschichte wird man mit der blumigen Sprache konfrontiert. Die dermaßen detaillierten und ausgeschmückten Beschreibungen haben mich nahezu erschlagen. Es hat seine Zeit gedauert, bis ich mich hier sozusagen akklimatisiert hatte. Camelia lernt Orléans außerhalb ihres Zuhauses kennen und wird von den vielfältigen Eindrücken schier überwältigt. Eines muss man der Autorin zugutehalten, ihr Stil ist wirklich bildgewaltig und opulent, optische Feinheiten habe ich an keiner Stelle vermisst. Man muss sich deshalb sehr schnell damit anfreunden, dass die Handlung ruhig und gemächlich ins Rollen kommt. Der Vergleich zur angezogenen Handbremse passt hier ganz gut.

Der Aufbau dieser fiktiven Gesellschaft gefiel mir sehr. Pompöse Roben, extravagante Frisuren und perfektes Make-Up. Glitzernd und farbenfroh. Um jeden Preis auffallen, sich gegenseitig übertrumpfen, das ist das vorherrschende Motto. Diesen Luxus kann sich auch in Orléans leider nicht jeder leisten, was natürlich Neid und Missgunst, wenn nicht sogar Hass und Bösartigkeit, nach sich zieht.

Durch die Ich-Perspektive von Camelia erleben wir diese außergewöhnliche Welt, ihre persönlichen Gedanken und Gefühle, hautnah mit. Im weiteren Verlauf zeigt sich immer mehr, dass Camelia die strengen Regeln der Belles anzweifelt und ihnen nicht bedingungslos folgen möchte. Das beweist meiner Meinung nach ihren starken Charakter, der aktuell noch etwas im Verborgenen schlummert. Klar, sie ist gerade mal sechzehn Jahre alt, da darf man auch noch naiv und oberflächlich sein. So manches Mal habe ich mir dennoch mehr Tiefgang in der Ausarbeitung der Charaktere gewünscht, denn sowohl Camelia als auch etliche Nebenfiguren wirken zum Teil recht blass. Ich könnte jetzt niemanden nennen, der bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Viele Leser haben bemängelt, dass an dem Schönheitswahn zu wenig Kritik geübt wird. Das kann und will ich so nicht bestätigen. Ich bin der Meinung, dass die Autorin ganz bewusst überspitzte Äußerungen trifft und übertriebene, schockierende Situationen darstellt, um eben diesen ganzen Zirkus ins Lächerliche zu ziehen. Man muss aber für subtile Kritik offen sein und auch mal zwischen den Zeilen lesen können.

Für mich ist dieser Reihenauftakt als detaillierte Einführung in die Welt der Belles anzusehen. Die Grundidee der Geschichte und sämtliche Personen besitzen großes Potenzial und ich hoffe, dass die Autorin diese Tatsache im zweiten Teil vollkommen ausschöpfen kann.

Fazit:
Eine innovative Geschichte aus dem Bereich Jugendfantasy, die vor allem durch den blumigen und ausgeschmückten Erzählstil hervorsticht. Dadurch besitzt der Handlungsverlauf ein eher langsames Tempo. Die Grundidee, den aktuellen Schönheitswahn anzuprangern, hat mich überzeugt, obwohl die herbeigesehnte Rebellion der Protagonistin Camelia lediglich eingeläutet wird. Besonders die letzten 100 Seiten sind grandios und bieten unzählige Möglichkeiten für die Fortsetzung. Ich bin richtig gespannt, was die Welt der Belles noch zu bieten hat.


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