Rezension „Flamingo-Sommer“ von Franziska Erhard

Cover
Eine gute Kombination aus dem Trend 2017, Flamingo, der Sehnsucht nach Meer, Urlaub und Abenteuer. Perfekt auf die Geschichte abgestimmt, wurde dieses Cover thematisch umgesetzt.

Prota
Marie, gerade noch ihren Freund im Flagranti erwischt, macht sich auf zu einem neuem Abenteuer. Sehr zum Leidwesen ihrer Mutter, die die überstürzte und für Marie untypische Handlung nicht nachvollziehen kann. Doch es soll ein Sommer werden, ein Sommer voller Abenteuer. Denn genau das braucht Marie. Dabei verschlägt sie es nach Südfrankreich auf einen 5 Sterne Campingplatz. Und dort fängt es an, das Abenteuer oder besser gesagt, der Flamingo-Sommer. Durch ihre Erfahrung im Hotelgewerbe und ihre emphatische Art gelingt es Marie, schnell Kontakte zu knüpfen. So vergehen die Tage mit manch skurrilen Geschichten, liebenswerten Menschen, und neuen Erfahrungen, die sie mit ihren Teamkollegen teilt. Und so schleichen sich nicht nur das Meer, die Sonne und die gute Laune in ihr Herz, sondern auch Laurent. Er ist ebenfalls in der Campinganlage beschäftigt und so kreuzen sich ihre Wege, hin und wieder, am Meer.

Schreibweise
Auf amüsante, gefühlvolle, manchmal auch traurige Weise erzählt uns Franziska Erhard in einer flüssigen, leichten Schreibe eine andere Seite der Urlaubszeit. Man ist sofort in der Geschichte eingetaucht und erlebt so manches Wunder. Denn es geht hier mal nicht um die Geschichte der Urlauber, sondern der Angestellten, die weit mehr sind, als nur die Putzkolonne, Sorgentröster und Animateure.

Spannungsbogen
Die Geschichte baut sich stetig auf. Erst erleben wir die Gefühlsachterbahn Maries, ihr Unbehagen, die Reaktionen der Umwelt. Und dennoch wird hier eine Frau aufgezeigt, die stark ist, sich durchzusetzen weiß und ihren Weg geht. Dazu ihre Sehnsucht, die sie hier am Meer erlebt und dennoch weiß, dass sie keine Zukunft hat. Doch wie wird es ausgehen? Es gelingt der Autorin sehr gut, den Leser hier nah bei der Geschichte zu halten, um genau das herauszufinden.

Taschentuchfaktor
Die Geschichte ist sehr emotional. Es sind die kleinen Gesten, die  Sehnsüchte, die das Herz erwärmen und den Leser träumen lassen.

Erotikfaktor
Romantikfaktor, trifft es hier am ehesten. Auf eine eigene Weise, die dem Leser kleine Häppchen bietet, schwärmen lässt, macht sie sehr gefühlvoll.

Minisnippet
…Nun jedoch erkannte ich, dass ich neben ihm und ein paar gemeinsamen Freunden ziemlich wenig hatte. Keine Mädelsabende, keine verrückten Auszeiten. Nicht einmal Erinnerungen. Ich war stets das vernünftige Mädchen gewesen, das seinen Weg ging, ohne nach rechts oder links zu blicken. … Ich jedoch schritt unbeirrt von einem Abschnitt zum nächsten … Und nun, in einem Alter, in dem die anderen anfingen, zielstrebig zu werden, überkam mich der Trotz. Ich hatte noch etwas gut. Einen Sommer ohne ständig diesen Gedanken im Hinterkopf … einen Sommer, in dem das einzig Wichtige war, genug Sonne abzubekommen und möglichst oft das Salz auf meiner Haut zu spüren. …

…Wann ist ein Mann der Mann unseres Lebens? Wenn wir nicht mehr ohne ihn sein wollen? Wenn wir nur dann ganz sind, wenn er da ist? Oder wenn wir in einem Lebensabschnitt stecken, in dem wir denken, endlich den  nächsten Schritt gehen zu müssen, zu heiraten, Kinder zu bekommen, endlich eine feste, dauerhafte Beziehung zu führen? … …Diese Frage beschäftigte mich wirklich. …

…Er erwiderte meinen Kuss mit einer plötzlich herausbrechenden Leidenschaft, die mich vergessen ließ, wie frisch es geworden war, dass morgen alles vorbei war und dass er das eigentlich nicht wollte. Es war nur ein Kuss, aber was für einer. Einer, der dich Sterne sehen lässt, nur weil seine Lippen deine berühren. Einer, der dir Angst macht, was dein Körper wohl empfinden würde, wenn er seine Hände einsetzte. Einer, der dir zu verstehen gibt, dass du am Abgrund stehst und unweigerlich heineinstürzen wirst, um für immer gefangen zu sein, wenn du dich jetzt nur einen winzigen Schritt bewegst. …

Fazit
Wieder einmal gelingt es Franziska mich als Leserin mit ihrer schönen Art, Geschichten zu erzählen, vom Alltag abtauchen zu lassen. Ob es die sympathischen Protas sind, das Gefühl, wie das Meer die Füße umspült oder die umschriebene Umgebung, die mich an den Campingplatz reisen lässt. Gerade hier erlebt man, wenn man selber Campingurlauber in Mobilehomes ist, wie es auf den Plätzen zugeht. Ob es die Familie Flotter ist oder die ewig unfreundlichen Nachbarn. Erlebt man in seinen eigenen Urlauben manch Geschichten und daher ist diese, aus der Angestelltensicht, eine willkommene, humorvolle, heitere und auch berührende Abwechslung. Sehnsüchte werden geweckt, aus dem zurückliegenden Urlaub Erinnerungen abgerufen, sich auf den bevorstehenden gefreut.

Für mich eine absolute Kaufempfehlung und daher verdiente 5 Sterne.


„Flamingo-Sommer“ von Franziska Erhard


 

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