Schreibwettbewerb August Finalisten Alexa Mey

Die dritte Geschichte, aus dem Finale des Schreibwettbewerbs im August


Ein zweiter Blick

Alexa Mey

„Komm schon Sam, mach endlich die Tür auf, das ganze Team wartete bereits auf dich“ dringt die Stimme meiner besten Freundin durch die geschlossene Tür.  Ein letztes Mal versuche ich das Stückchen Stoff in Position zu ziehen bevor ich mich umdrehe und die Tür öffne wobei mein vorwurfsvoller Blick sie direkt trifft. „Wow du siehst toll aus“ fliegt es mir entgegen. Ich nehme ihr den Bademantel ab und streife ihn über mich. „Soll das ein Witz sein?“ Sie zuckt gelassen mit den Schultern „Was regst du dich denn so auf, bei deiner Figur kannst du alles tragen und gestern am Strand beim Bikini Shooting hattest du noch weniger an.“ Ich fuchtel mit meinen Händen durch die Gegend um meinem Unmut zu demonstrieren „Der Bikini hat aber im Gegensatz zu diesem Badeanzug meine Brüste und meinen Hintern komplett verdeckt“ Ohne meinen Argumenten gehör zu schenken geht Madeleine an mir vorbei „Komm schon, Pete wartet schon ungeduldig“ Aus Erfahrung weiss ich, das weiteres Rummeckern nichts bringt zumal ich froh sein sollte, dass sie mir den Auftrag besorgt hat. Wir laufen durch die stilvoll eingerichtete und für das Shooting gemietete Villa auf die Terrasse wo bereits das Team alles vorbereitet hat. Der Ausblick ist traumhaft. „Sam das ist dein Shooting Partner Joshua“ teilt mir Pete unser Fotograf mit. Ich reise mich von dem Ausblick los und drehe mich zu den zweien um. Mir stockt der Atem bei dem Anblick der sich mir bietet. Joshua sieht aus als wäre er gerade einem Cover der Vogue entschdiegen. Wenn ich raten müsste – er ist bestimmt 1,90 m groß, Kinnlange dunkelblonde Haare, ein perfekt geformter Körper mit dem richtigen Maß an Muskeln. Der Sixpack zeichnet sich auf seiner braun gebrannten Haut ab. Gerade soviel dass sie einzeln definiert sind aber nicht soviel dass es aufgepumpt wirkt. Aber das attraktivste sind die eisblauen Augen die mich gerade Wegs ansehen. Zu seiner roten Badeshorts die er trägt fehlt nur noch die Rettungsboje und er würde jeden Reuniun Baywatch Cast gewinnen. „Hey“ stottere ich mehr vor mich hin. Automatisch strecke ich ihm meine Hand entgegen. Statt sie zu ergreifen mustert er mich, denn durch meine Handbewegung hat sich der Bademantel geöffnet und zeigt mehr Haut als mir gerade lieb ist. Die Hitze schiesst mir in die Wangen und an seinem anzüglichen Grinsen erkenne ich nur zu gut dass er meine Gedanken kennt. Bevor es noch peinlicher wird ziehe ich meine Hand wieder zurück, aber Joshua ist schneller als er sie ergreift und etwas zu lange festhält. Er beugt sich zu mir herunter küsst meine Wange und haucht mir so dass nur ich es hören kann „Freut mich dich kennenzulernen Samantha“ ins Ohr. Seine Stimme löst ein eindeutiges ziehen in meinen Unterleib aus, ich spüre wie meine Brustwarzen sich gegen den kaum vorhanden Stoff drücken. Verflucht wie soll ich diesen Tag überstehen? Bevor ich mich sammeln kann hat sich Joshua von mir gelöst, schenkt mir noch einmal ein sexy lächeln und verschwindet mit Pete zum ersten Set des Tages. Während ich immer noch den zweien mit geöffnetem Mund hinterher starre  taucht Miranda auf und nimmt mir meinen Bademantel ab „Sex auf zwei Beinen nicht wahr?“ ich nicke nur, denn zu leugnen während sie auf meine Brüste starrt wäre ziemlich sinnlos – und nicht zum ersten Mal Frage ich mich wie ich diesen Tag überstehen soll.

4 Stunden und 5 Kleiderwechsel später ist meine Laune am Tiefpunkt angekommen. Mittlerweile wurde das Shooting in den Pool verlegt. Joshua und ich stehen vor einer idyllisch angelegten Grotte. Im Hintergrund hat der Eigentümer Palmen pflanzen lassen und mit etwas Fotoshop entsteht durchaus der Eindruck wir würden uns in der Karibik befinden. Allerdings ist es mir nicht schlüssig wie man soviel Geld für eine Poolanlage ausgibt und dabei vergisst das Wasser zu beheizen. Das Gefühl in meinen Füßen habe ich bereits verloren. Trotz meiner 10 cm High Hells die ich trage bin ich immer noch mindestens einen Kopf kleiner als Joshua. Um das etwas auszugleichen stelle ich mich weitestgehend auf die Zehenspitzen, was aber mit zunehmender Dauer immer schwieriger wird. Meine Größe hat mir noch nie etwas ausgemacht, auch wenn Sie der Grund ist warum ich niemals ein professionelles Model werde. Für den Laufsteg bin ich einfach zu klein. Bei Fotoaufnahmen kann man die Größe kaschieren. Das hat mir nie etwas ausgemacht. Ich kann mit dem Modeln mein Studium finanzieren mehr wollte ich nie. Aber hier neben Joshua komme ich mir von Minute zu Minute unzulänglicher  vor.   „Mehr Attitude, Sam. Konzentrier dich“ Ruft mir Pete zu. Der sagt das so leicht. Ich stehe an Joshua gelehnt, meine Hand auf seiner Brust positioniert mein Gesicht seinem zugewandt während er direkt in die Kamera schaut. „Könntest du aufhören mir dermaßen auf die Pelle zu rücken“ zischt er mir zu. Großartig. Hat der sie noch alle? Nicht nur dass er mich den ganzen Tag schon ignoriert, wenn er sich überhaupt dazu herablässt mit mir zu sprechen ist er dabei einsilbiger als jedes dreijährige Kind. „Falls du es vergessen hast, Pete will diese Position. Ich habe mich nicht freiwillig so hingestellt.“ „Das beinhaltet aber nicht, das du dich an mir wie ein Klammeraffe festkrallen sollst“ Ich lasse abrupt meine Hand von seiner Brust gleiten. „Was ist denn nun schon wieder?“ kommt es von Pete. Ich schließe kurz die Augen um mich zu sammeln. Ich werde diesen Job hinter mich bringen. Ich kann das – spreche ich mir in Gedanken Mut zu –  nur noch dieser Tag und  ich muss diesen aufgeblasen Idioten nie wieder sehen. Gerade als ich meine Position wieder einnehmen will, fährt ein stechender Schmerz durch mein Bein. Ich verliere das Gleichgewicht und versuche nach Joshua zu greifen, da aber unsere Haut für besseren Glanz mit Sonnenöl behandelt wurde bekomme ich Ihn nicht zu fassen, rutsche ab und lande sehr undamenhaft im Wasser. Ich will vor Schreck schreien, aber mein Mund füllt sich mit Wasser – schlechte Idee. Wie wild schlage ich um mich, verdammt wo ist hier oben und unten? Zwei Arme ziehen mich aus dem Wasser und heben mich hoch. Meine Lungen streiken noch und ein Hustenanfall sorgt dafür, dass ich das eingeatmete Wasser wieder von mir gebe. „Ganz ruhig ich hab dich – es ist alles in Ordnung“ versucht mich Joshua zu beruhigen. Tränen steigen mir in die Augen und meine Lunge brennt als hätte ich puren Essig getrunken. Meine Haare versperren mir die Sicht, wobei ich darüber ganz froh bin. Die Blicke der anderen möchte ich ungern sehen, während ich wie ein nasser Pudel mit verlaufenen Make Up an ihnen vorbei nach drinnen getragen werde. Etwas weiter entfernt höre ich Pete fluchen, dass der Tag gelaufen wäre. Ich drücke mich etwas enger an Joshua – mir egal ob er das will  – aber er trägt mich weiter auf seinen Armen und seine Nähe und Wärme ist gerade alles was ich will.  Im innern der Villa setzt er mich vorsichtig auf der Couch ab. „Geht’s wieder?“ Ich nicke nur weil ich meiner Stimme noch nicht traue. „ich bin gleich wieder da.“ Bevor ich etwas versuchen kann zu erwidern ist er schon aus meinem Blickfeld verschwunden und eine leichte Traurigkeit seine Haut nicht mehr auf meiner zu spüren breitet sich in mir aus. Ich schüttele über meine Gedanken den Kopf. Nur weil er sich die letzten Minuten nicht wie ein Vollarsch aufgeführt hat springt mein Körper gleich wieder auf seine Berührung an. Ich reibe mir über meinen rechten Fuß. Der Wadenkrampf hat zwar nachgelassen, allerdings ziept es immer noch ganz schön. Miranda steckt den Kopf durch die Tür „hier bist du. Ich hab dich schon gesucht“ lachend kommt sie auf mich zu, reicht mir ein Handtuch mit dem ich mich notdürftig trockne und lässt sich neben mich fallen „naja zum Mindest hattest du einen Badeanzug an und hast keine teure Designerkleidung ruiniert“ ich merke wie sich meine Gesichtsfarbe verfärbt – Gott ist das peinlich. ich halte mir ein Kissen vors Gesicht dass sie mir  aber wieder wegnimmt. „Ist Pete sehr sauer“ frage ich sie. Meine beste Freundin zuckt mit den Schultern, immerhin hat sie mir den Job besorgt und meine Glanzleistung war das heute bestimmt nicht. „Er ist nicht gerade begeistert, aber dein Retter hat dich da draußen gerade verteidigt und das restliche Shooting auf Morgen verlegt“ „Mein Retter?“ Ich lege meine Stirn in Falten. Mirandas Grinsen wird noch etwas breiter, falls das überhaupt möglich ist. „Wie ein Löwe der sein junges beschützt“ ich werfe ihr das Kissen an den Kopf. Manchmal hat sie echt einen Knall. „Ich muss einen Teil des Equipments noch in die Firma bringen – Pete möchte seine teuren Kameras über Nacht nicht hier lassen. Ist es in Ordnung wenn ich dich danach hier abhole?“ „Das musst du nicht, ich bringe Samantha später nach Hause“ Joshua steht lässig an die Tür gelehnt im Durchgang und hält eine Tasse mit dampfenden Inhalt vor sich. „Super, dann sehen wir uns morgen“. Bevor ich auch nur die Möglichkeit habe selbst darauf zu antworten ist Miranda schon verschwunden und Joshua sitzt neben mir und reicht mir die Tasse mit heißer Schokolade

„Danke“ „Nicht dafür“ ich rutsche etwas nervös hin und her. „Das meinte ich auch nicht“ belustigt zieht er eine Augenbraue hoch „Ach nein“ „Doch schon aber nicht nur“. „Auch für die Sache mit Pete“ „kein Problem“ Er lehnt sich zurück und verschränkt seine Arme im Nacken. „Du hast dich den ganzen Tag mir gegenüber wie ein Ekelpaket verhalten. Warum bist du jetzt so nett“ „Ich habe was?“ „Du hast mich Klammeraffe genannt“ sage ich vorwurfsvoll. Er zieht sein T-Shirt etwas in die Höhe und zeigt mir eindeutige Fingernagel Spuren an seinem Rücken „Oh das war ich?“ Er dreht sich zu mir und kommt mir gefährlich nahe „Mmh, also denke ich ist Klammeräffchen noch sehr nett gewesen – findest du nicht?“ Ich schlucke, irgendwie fühlt es sich an als wäre die Raumtemperatur gerade um einige grad gestiegen. Aber so schnell gebe ich nicht auf „Du du…“ mit jedem Wort fällt es mir schwerer einen klaren Gedanken zu fassen „warst den ganzen Tag unfreundlich“ „Mmh unfreundlich oder distanziert?“ langsam fährt er mit seinem Daumen meinen Wangenknochen entlang. Mit der anderen nimmt er mir die Tasse aus der Hand und stellt sie auf den Beistelltisch „Distanziert?“ kommt es atemlos über meine Lippen. „Vielleicht habe ich einfach nur versucht genug Abstand zu halten damit nicht jeder sieht….“ Er stockt und ein lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus bevor er noch ein Stückchen näher kommt „wie sehr ich dich will“. Joshua nimmt meine Hand, führt sie zu seinem Schritt und ich spüre die eindeutige Beule die sich unter seiner Badeshorts abzeichnet. Ich sollte etwas erwidern, irgendetwas aber mein Gehirn ist wie leer. Nichts gar nichts außer diesen eisblauen Augen die sich mit meinen verhaken.  Ich erwache aus meiner Starre als seine Lippen meine treffen. Vorsichtig, behutsam als würde er um Erlaubnis bitten und ich bin nur all zu bereit sie ihm zugeben. Ich öffne meine Lippen und seine Zunge spielt mit meiner. Es fühlt sich vertraut an. Er neckt mich, der Kuss wird fordernder in gleichem Rhythmus wie meine Lust sich steigert. Ohne das ich es bemerke ist mein Badeanzug und seine Short verschwunden. Haut auf Haut. Körper an Körper. Ich möchte meine Augen schließen, mich den Gefühlen und seinen Berührungen hingeben aber ich kann es nicht. Seine Augen halten meine gefangen und ihm scheint es genau so zu gehen. Joshuas Hände erkunden meinen Körper, streifen meine Brüste fahren meine Seite entlang. Ich stöhne als er meine Schamlippen berührt, ziehe ihn näher an mich am liebsten würde ich in ihn krabbeln um ihm noch näher zu sein. Er quittiert mein verhalten mit einem lachen. Vielleicht ist es auch ein knurren. Keine Ahnung. Nur am Rande bekomme ich das reisen eines Kondompäckchens mit und sofort ist er wieder über mir. „Mach die Augen auf“ ich hatte gar nicht gemerkt dass ich sie geschlossen habe. Er senkt seinen Mund auf meinen und küsst mich wie mich noch keiner geküsst hat, als braucht er diesen Kuss sosehr wie die Luft zum atmen. „Ich will dass du  mich anschaust während ich in dir bin.“ Und wieder versagt meine Stimme und ich schaffe es nur leicht zu nicken. Mit einem Stoß dringt er in mich ein, dehnt mich, füllt mich aus. Kurz gibt er mir Zeit mich an ihn zu gewöhnen forscht in meinem Gesicht ob es mir gut geht – mir ging es noch nie besser. Aber wie sollte es auch sein. Mein Gehirn ist weiterhin nicht fähig Wörter zu bilden die vollständig meinen Mund verlassen also hoffe ich das er meinem Ausdruck richtig deutet – und ja er tut es. Langsam beginnt er sich zu bewegen. Wir finden einen gemeinsamen Rhythmus, bewegen uns im Einklang als hätten wir dies schon tausendemale gemacht. Er legt seine Hand an meine Wange und ich schmiege mich dagegen. Immer weiter treiben wir uns auf die Klippe zu, werden zu einer Einheit.  Unsere Hände sind ineinander verschlungen, genau wie es unsere Körper sind – wo er endet beginne ich und andersherum. Der Orgasmus überrollt mich wie ein Orkan, fegt über mich hinweg nimmt mich mit an unbekannte Orte und trägt mich wieder zurück.

Irgendetwas ist anders, aber ich kann es nicht deuten. Alles wirkt identisch zum gestrigen Tag. Wir tragen die gleiche Kleidung, das Kamerateam ist bis auf einen Assistenten ebenfalls identisch. Wir stehen im Pool, wieder vor der Grotte und als mir Pete das Wort Attitude zuruft stiehlt sich ein lächeln auf mein Gesicht. Nur kurz eine winzige Sekunde und ich hoffe, dass er nicht gerade in dem Moment den Auslöser gedrückt hat. Kurze Zeit später registriere ich wie jemand „das wars wir haben es im Kasten“ ruft. Joshua nimmt meine Hand und hilft mir, ohne Zwischenfälle auf meinen High Heels durchs Wasser zu gelangen. Neben Pete, der sich die Bilder bereits auf einem großen Bildschirm anschaut, bleiben wir stehen. Zwei Assistenten reichen uns Handtücher und Bademäntel, die wir gerne annehmen. Sofort suche ich wieder die Nähe von Joshua und er legt wie selbstverständlich den Arm um mich. Es ist merkwürdig. Wir kennen uns gerade mal 24 Stunden und trotzdem fühlt es sich richtig an. Hier jetzt an diesem Ort neben ihm. „Was auch immer ihr getan habt“ ein wissender Blick trifft mich und Joshua von Pete „es war es auf Jedenfall wert.“ Er gibt uns den Blick auf den Bildschirm frei und ich kann das Foto sehen. Es ist nicht das was ich erwartet habe und doch genau das was es sein soll. Zwei Personen die wie eine Wirken. Zwei Menschen die zusammengeführt wurden. Meine Hand die sich in die Kuhle seiner Brust einfügt. Mein Blick zu Ihm den ich bis jetzt auf keinem Foto von mir gesehen habe, der soviel zugleich und nichts Genaues aussagt. Vertrauen Wertschätzung. Sein Blick der auf mir ruht. Die perfekte Symbiose zweier Individuen die zusammen kommen. Joshua zieht mich ein Stück näher zu sich und ich blicke zu ihm auf und sehe in diesen eisblauen Augen was ich auch auf dem Foto sehe – Vertrauen. Ich weiss nicht ob wir beide überhaupt eine gemeinsame Zukunft haben, aber allein dieser zweite Blick von Ihm zeigt mir dass ich in diesem Moment an dem einzigen richtigen Ort bin an dem ich sein möchte unabhängig was morgen oder übermorgen geschieht. Hier bei IHM.


Morgen gibt es die nächste Geschichte.

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