Rezension: „One Night – Die Bedingung“ von Jodie Ellen Malpas

Cover
Das Cover hat etwas Geheimnisvolles an sich. Ob es an der Auswahl der Farben liegt, oder an der Gestaltung, ich kann es nicht genau definieren. Es hat Wiedererkennungswert und es hat sich von Anfang an in meine Gedanken gebrannt.

Protas
Olivia alias Livy lebt ein eher bescheidenes Leben. Sie jobbt in einem Bistro, während sie ihre Freizeit entweder mit ihrer Granny oder ihrem besten Freund Gregory verbringt. Ihre introvertierte Art schützt sie davor, neue Bekanntschaften zu schließen oder gar noch schlimmer…auf Dates zu gehen.

Miller Hart ist ein Mysterium. Alles lässt darauf schließen, dass er ein reicher, junger Mann aus kultiviertem Hause ist. Seine stechend blauen Augen sind sein Markenzeichen und auch sonst ist er mit einem Aussehen gesegnet, dass ihm die Damenwelt zu Füßen liegen lässt. Aber ein Augenblick reicht aus, um seine Welt aus seinen geordneten Bahnen zu werfen. Der erste Blick in Livys Augen.

Schreibe & Inhalt
Jodie Ellen Malpas hat eine grandiose Art zu schreiben. Ich weiß nicht ob es beabsichtigt ist oder nicht, aber sie spielt mit der Art, die Leser dazu zu bringen, sich eigene Gedanken zu machen. Hier und da ein neues Puzzleteilchen, und schon ist man wieder am grübeln. Die Geschichte dürfen wir aus Sicht von Livy miterleben, was die Geheimnisse um Miller Hart nur weiter voran treibt. Einfach genial.

Als sich Livy und Miller das erste Mal gegenüber stehen, können sie das, was sie damit ins Rollen bringen, nicht mehr aufhalten. Die Anziehung zwischen den beiden ist beinahe übermächtig, aber sie ahnen nicht, dass sie dadurch an ihre Grenzen geraten werden. Livy versucht verzweifelt ihr Herz zu schützen, aber auch die Tatsache, dass Miller immer geheimnisvoller wird, kann sie nicht von ihm fern halten.  Aus ihrer Verzweiflung heraus weiht sie ihn sogar in ihre tragische Vergangenheit ein, dabei ist es Miller, der sich beinahe nie in seine Karten sehen lässt. Zu Recht, denn was er zu verbergen hat, sprengt jegliche Vorstellungskraft.

Spannungsbogen
Schon zu Beginn bekommt man einen Geschmack darauf, dass das Buch doch einen sehr ernsten Hintergrund hat. Der Prolog schürt die Spannung gewaltig. Als dann Livy und Miller miteinander Bekanntschaft machen, ist man völlig in dem Bann des Buches gefangen.

Taschentuchfaktor
Mehr als einmal ist mir die Sicht verschwommen. Es gibt immer wieder Momente, die mir Tränen in die Augen trieben. Miller Hart ist ein Mann, der seine emotionslose Maske beinahe immer zur Schau stellt, und so gerät auch Livy immer wieder in Situationen, die sie brechen könnten. Und genau das passiert auch, als sie hinter das Geheimnis von Miller kommt. Und das Ende, mein Gott, es ist ein Cliffhanger, hat mich zu einem völlig verheultem Etwas gemacht 😉

Erotikfaktor
Dieses Buch ist zu Recht im Genre Erotik angesiedelt. Es ist waffenscheinpflichtig, denn die unterschiedlichsten Szenen sind lustvoll und sehr sinnlich. Miller Hart weiß genau, wie er eine Frau um den Verstand bringt, und die Autorin hat genau das bestens zu Papier gebracht. Mir war es beinahe fast ein wenig zu viel des Guten, aber dennoch einfach nur heiss und sehr abwechslungsreich.

Minisnippet
Ich wasche mir die Hände, bevor ich mich vor den gigantischen, goldgerahmten Spiegel stelle, um mein Haar zu richten. Ich seufze. Der Blick in meinen Saphir-Augen wirkt gehetzt. Neugierig.
Ich schaue nicht weiter hin, als die Tür sich öffnet und konzentriere mich weiter auf mein Haar. Aber dann steht plötzlich jemand hinter mir, wirft einen Schatten über mein Gesicht, als ich mich zum Spiegel vorbeuge. M. Ich schnappe nach Luft und weiche zurück, pralle genau gegen seinen Körper, der genauso hart und schlank ist wie in meiner Vorstellung.
„Sie sind in der Damentoilette gelandet“, keuche ich und wirbele herum, um ihn anzusehen. Ich versuche, vor ihm zurückzuweichen, aber ich komme nicht weit, denn das Waschbecken hinter mir hält mich auf. Trotz des Schrecks mustere ich ihn jetzt ausgiebig aus der Nähe – den dreiteiligen Anzug, das sauber rasierte Gesicht. Er duftet überirdisch, sehr männlich mit einer sinnlichen Holznote. Ein berauschender Cocktail. Alles an ihm wirft mein empfindsames Ich vollkommen aus der Bahn. Er macht noch einen Schritt auf mich zu, steht mir plötzlich noch näher und erschreckt mich, indem er sich hinkniet und sanft meine Hose hochschiebt, um mein Knie zu begutachten. Ich stütze mich am Waschbecken ab, halte den Atem an, beobachte, wie der Daumen sanft über das Gaze gleiten lässt, die den Schnitt bedeckt.
„Tut es weh?“, fragt er leise und sieht mich mit diesen unglaublich blauen Augen unverwandt an. Ich bringen keinen Ton heraus, also schüttele ich nur leicht den Kopf und beobachte, wie er sich wieder zur vollen Größe aufrichtet. Er sieht mich einen Augenblick lang nachdenklich an, dann sagt er: „Ich muss mich zwingen, Ihnen fernzubleiben.“
Ich weise nicht darauf hin, dass er das nicht besonders gut hinkriegt. Ich kann den Blick nicht von diesen Lippen abwenden.
„Warum müssen Sie sich zwingen?“
Er berührt mich am Unterarm, und ich muss meine ganze Kraft aufbieten, um nicht zusammenzuzucken vor der Hitze, die von seiner Berührung ausgeht.
„Weil Sie ein süßes Mädchen sind, das mehr von einem Mann bekommen sollte, als den besten Fick seines Lebens.“

Fazit:
Ein Wahnsinns Auftakt dieser Trilogie, der durch das Ende mit Sehnsucht auf Teil 2 warten lässt. Ich war bereits nach „Lost in you“ völlig überzeugt vom Schreibstil von Jodie Ellen Malpas, hab mich aber ein wenig davor gefürchtet, dass sie mit „One Night“ nicht an das grandiose Leseerlebnis anschließen zu kann. Völlig zu Unrecht, denn dieses Buch kann absolut mithalten. Ich hab es inhaliert, wirklich in jeder freien Minute in mich aufgesogen.  Dieses Band zwischen Miller und Livy ist einmalig beschrieben, lässt einen mitfühlen und mitleiden. Auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass es ungesund ist, was die beiden da tun, ist es nachzuvollziehen, der Liebe willen irrationale Entscheidungen zu treffen. Ich bin völlig geflasht, vom Verlauf, den Protas, den Entwicklungen und letztendlich wegen dem tragischen Ende, das mich völlig überrascht hat.
5 Sterne, und das völlig verdient.


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